Wiederkehr eines Mythos

16. Mai 2013, 17:47
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Die definitive US-Underground-Band Black Flag hat sich (nach fast dreißig Jahren) neu formiert. Am Montag spielt sie in der Arena in Wien

Wien - Offenbar ist Katzenfürsorge allein doch keine Lebensaufgabe. Zwar soll sich der US-amerikanische Gitarrist Greg Ginn in den letzten eineinhalb Jahrzehnten hingabevoll armen Katzenviechern gewidmet haben, daneben hat er aber nicht nur wie ein Irrer Alben veröffentlicht, sondern nun noch jene Band reaktiviert, bei deren Erwähnung sich immer noch Ehrfurcht einstellt: Black Flag. Am kommenden Montag spielt der Vierer in der Wiener Arena.

Ginn ist Gründer dieser bis heute einflussreichsten Band des US-amerikanischen Undergrounds der letzten vierzig Jahre. Sein Bruder Raymond Pettibon hat das berühmt gewordene Logo mit den vier Balken und viele der Albenhüllen entworfen, Ginn hat neben Black Flag noch SST (Solid State Transformers) betrieben - jenes Label, das die erste Keimzelle des US-Hardcore war.

Wie viele Leben SST und Black Flag verändert haben, kann man sich gar nicht vorstellen. Gegründet wurde Black Flag 1976, Mitte der 1980er-Jahre war es dann schon wieder vorbei - nicht ohne der Welt hunderte Vollkontakt-Konzerte, zeitlos grimmige Tondokumente und mit Henry Rollins einen der nachdrücklichsten Rampenberserker aller Zeiten geschenkt zu haben.

2013 gilt nun offiziell als Jahr der Reunion, sogar ein neues Album soll im Entstehen sein. Doch die Wiedervereinigung hat einen gewissen Schönheitsfehler. Greg Ginn ist nämlich das einzige verbliebene Originalmitglied, andere alte Mitstreiter wie Chuck Dukowski, Keith Morris und Bill Stevenson gehen derweilen unter dem Namen Flag auf Tour, der Rest beschäftigt die Anwälte.

Verprügelte Polizisten

Im Februar 1983 waren Black Flag schon einmal in Wien, seit damals sind sie hierzulande Mythos. Und nicht nur, weil Henry Rollins in seinem Tour-Tagebuch Get in the Van von verprügelten Polizisten und misshandelten Polizeihunden fantasiert. Am Montag wird sich zeigen, was die Realität 2013 bringt.  (Karl Fluch, DER STANDARD, 17.5.2013)

Black Flag live: 20. 5., Arena, Baumgasse 80, 20.00

  • Alte Band mit neuen Mitgliedern: Seine Underground-Formation Black Flag hat Greg Ginn (2. v. li.) neu aufgestellt. Am Montag zu Gast in der Arena.
    foto: robert kenney

    Alte Band mit neuen Mitgliedern: Seine Underground-Formation Black Flag hat Greg Ginn (2. v. li.) neu aufgestellt. Am Montag zu Gast in der Arena.

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