"All Access": Googles Spotify-Konkurrent ausprobiert

16. Mai 2013, 17:51
33 Postings

Kombination mit persönlichem Speicher als größte Stärke - Gute Umsetzung, Clients für iOS und Co. fehlen aber noch

War Google Play Music bisher auf den "klassischen" Kauf von Musik in Kombination mit einem Online-Speicher für eigene Lieder beschränkt, hat sich aktuell ein weiteres Angebot in diese Riege gesellt. Unter dem Namen "All Access" startet das Unternehmen einen eigenen Musik-Streaming-Service, und macht damit nicht zuletzt eingesessenen Lösungen wie Spotify oder Rdio Konkurrenz.

Auswahl

Glaubt man vorab schon publizierten Berichten, konnte Google die notwendigen Verhandlungen mit den Labels gerade noch rechtzeitig vor der Präsentation im Rahmen der Google I/O 2013 abschließen. Jetzt sind jedenfalls die drei Major Labels Universal, Sony und Warner mit dabei, in Folge kann "All Access" laut Google mit "Millionen" an Songs aufwarten. Dass Google in dieser Frage so vage bleibt, ist allerdings alles andere als erfreulich, lässt sich so doch auf die Schnelle der Umfang des Angebots nur schwer mit der Konkurrenz vergleichen.

Funktionalität

All diese Lieder können jedenfalls - im Gegensatz zu "klassischen" Internet-Radios gezielt gesucht und abgespielt werden. Wer will kann auch aus einzelnen Songs eigene Radiostationen mit "ähnlicher" Musik erstellen (und optional als Playlist abspeichern), quasi die Endlos-Variante des bisher schon bei Google Play Music verfügbaren "Instant Mix". Lieder lassen sich im im Stream einzeln überspringen oder "vorspulen", für die NutzerInnen ist also zunächst kaum ein Unterschied zu klassisch gekaufter Musik zu erkennen.

Lokal

Songs oder Alben, die besonders gut ankommen, lassen sich mit einem Klick der eigenen Bibliothek hinzufügen. Wer will kann sie danach auf Android-Smartphones und -Tablets für die Offline-Nutzung cachen. Ein Unterschied zum klassischen Kauf ist allerdings, dass die Lieder mit DRM geschützt sind, und nicht individuell heruntergeladen oder einer lokalen Musiksammlung hinzugefügt werden können. Die beim Musikkauf angebotene Möglichkeit ein erworbenes Lied einmal mit der eigenen Community auf Google+ in voller Länge zu teilen, gibt es - angesichts der Unbeschränktheit des Angebots wenig überraschend - ebenfalls nicht.

Redesign

Mit dem Launch von "All Access" geht ein Redesign von "Play Music" einher, und das sowohl in Bezug auf das Web als auch den Android-Client. Beiden steht diese sehr gut, vor allem geht die Android-App nun noch ein gutes Stückchen flinker zu Werke. Auffällig ist allerdings auch, dass beim Web-Client die experimentelle "Labs"-Sektion gestrichen wurde. Grund dürfte der dort bislang angesiedelte, experimentelle HTML5-Player für Play Music sein. Immerhin braucht "All Access" für die DRM-Implementation Flash, wie Google betont, auch wenn man hofft, hier schnell auf eine HTML5-Lösung wechseln zu können.

Verfügbarkeit

Derzeit ist "All Access" nur für NutzerInnen mit einem US-Play-Store-Zugang erhältlich, dies um 9,99 US-Dollar monatlich. Google spricht zwar von einer "raschen" Ausweitung auf andere Länder, einen konkreten Zeitrahmen will man aber noch nicht nennen. Wer sich bis zum 30.6. für das neue Service entschließt, muss fortan nur 7,99 US-Dollar Abopreis berappen, zudem gibt es eine kostenlose Testphase von 30 Tagen.

Vergleich

All dies klingt von der Funktionalität also sehr ähnlich zu dem, was Spotify derzeit bereits zu bieten hat - und ist es auch. Ein Alleinstellungsmerkmal von "All Access" ist allerdings die Kombination mit dem Online-Speicher, also die Möglichkeit das Streaming-Angebot mit selbst hochgeladenen Liedern - die sonst hier nicht verfügbar wären - anzureichern.

Android

Im Gegenzug beschränkt sich der neue Google-Service derzeit aber auf Android und einen Web-Client, eine Version für iOS oder andere mobile Betriebssysteme gibt es also nicht. Zwar hat Google nach der Präsentation des neuen Angebots durchklingen lassen, dass man künftig mehr Plattformen unterstützen will, für jene die iOS-Geräte benutzen ist das Fehlen eines entsprechenden Clients aber ein Ausschlussgrund.

Hoffnungsfroh

Bleibt zu hoffen, dass der Start von "All Access" in Österreich deutlich rascher kommt, als es beim Musikkauf der Fall war. Gerade für jene, die ganz im Android-Ökosystem verankert sind, und nicht bereits vollständig auf Spotify - oder ähnliche Lösungen - eingeschworen sind, könnte der Googlesche Streaming-Service durchaus eine interessante Verlockung darstellen.  (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 16.05.13)

  • Google Play Music mit "All Access": Das gesamte Musikangebot kann unlimitiert gestreamt werden.
    screenshot: andreas proschofsky / derstandard.at

    Google Play Music mit "All Access": Das gesamte Musikangebot kann unlimitiert gestreamt werden.

  • Sowohl Web-Client als auch Android-App von Google Play Music wurden in dem Zusammenhang vollständig neu gestaltet.
    screenshot: andreas proschofsky / derstandard.at

    Sowohl Web-Client als auch Android-App von Google Play Music wurden in dem Zusammenhang vollständig neu gestaltet.

  • Wer will kann von einzelnen Liedern ausgehend eigene personalisierte "Radiostationen" erstellen.
    screenshot: andreas proschofsky / derstandard.at

    Wer will kann von einzelnen Liedern ausgehend eigene personalisierte "Radiostationen" erstellen.

  • Dies können auch auf Dauer als Playlist gespeichert bleiben.
    screenshot: andreas proschofsky / derstandard.at

    Dies können auch auf Dauer als Playlist gespeichert bleiben.

Share if you care.