Kantner gegen billigere GmbH

16. Mai 2013, 14:32
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KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner kritisiert erneut heftig die geplante Senkung des Mindeststammkapitals

Wien - Einem Gesetzesentwurf zufolge soll ab 1. Juli 2013 das Stammkapital bei der GmbH-Gründung von 35.000 Euro auf 10.000 Euro sinken. Mehr Gründungen insgesamt erwartet sich Kantner durch die Maßnahme nicht, aber mehr Insolvenzfälle, sagte er am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Denn werde statt eines Einzelunternehmens eine GmbH gegründet, gehe im Insolvenzfall oft nicht nur die Kapitalgesellschaft Pleite, sondern auch der Eigentümer, berichtete Kantner aus der Praxis. Die Eigentümer von gering kapitalisierten Gesellschaften würden nämlich von Kreditgebern häufig in die Haftung einbezogen. Die Sinnhaftigkeit der Senkung des Mindeststammkapitals hat Kantner "nicht verstanden". Das Bedrohungsszenario der vermeintlich billigen importierten Unternehmensform "UK-Limited" habe sich in Luft aufgelöst.

Keine Lawine durch UK-Limited

Die befürchtete Lawine von Gründung dieser englischen Unternehmensform sei in Österreich, aber auch in Deutschland ausgeblieben. Dort habe man eine eigene Rechtsform angelehnt an die GmbH als Antwort zur "UK-Limited" ins Leben gerufen, die "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)" ("1-Euro-GmbH") . Ihre Anzahl sei im Vergleich zur deutschen GmbH verschwindend gering, betonte der Jurist.

Eine UK-Limited erscheine im Geschäftsverkehr nicht besonders vertrauenswürdig, erklärte Kantner. Außerdem sei eine solche Unternehmensform oft ein teurer Spaß, weil man alle Gesellschaftseingaben wie etwa Bilanzen in Großbritannien in englischer Sprache einreichen müsste. "Das ist ein bisschen ein Lockangebot, kommt mir vor", so Kantner. Dazu komme, dass die Briten bei Fehlern oder Versäumnissen sehr rigoros seien, man werde zweimal gemahnt und dann aus dem Register gelöscht. Die Folge der Löschung sei, dass das Vermögen der gelöschten Limited für die englische Krone eingezogen werde, berichtete Kantner.

Nicht nur Gründungskosten

Außerdem stört es den Insolvenzspezialisten beim Kreditschutzverband von 1870, dass das Mindeststammkapital im öffentlichen Diskurs als "Gründungskosten" apostrophiert werde, "nach dem Motto: ich müsste das Kapital aufwenden und es wäre weg". Das Gegenteil sei der Fall, das Geld könne für unternehmerische Aufwendungen wie eine Anzahlung für eine teure Maschine verwendet werden.

Außerdem betonte Kantner, dass "man im Mindeststammkapital ein Gegengewicht zur beschränkten persönlichen Haftung" sehe. "Aus unserer Sicht geht es dabei auch um den Schutz der Gründer. Das Signal, dass die Rechtsordnung geben sollte, ist, dass man zur Gründung eines Unternehmens Eigenkapital benötigt."

Als Faustregel für Gründer lautet Kantners Rat bezüglich der Eigenkapitalausstattung, dass der Gründer soviel Rücklagen haben sollte, dass er zumindest ein Jahr lang seine Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung stellen könne. Grundsätzlich hänge das benötigte Eigenkapital aber vom Geschäftsmodell ab.

Politische Junktimierung

Hinter dem Plan der Senkung des Stammkapitals, einer jahrelangen Forderung der Wirtschaftskammer, vermutet Kantner eine politische Junktimierung zwischen der Senkung des Mindestkapitals und der vom Sozialministerium geforderten Abschaffung der Mindestquote im Privatkonkurs. Wenn jemand im Rahmen eines solchen Konkurses zumindest 10 Prozent der Forderungen bezahlen könne, habe er einen Anspruch auf Restschuldbefreiung. Kantner spricht sich gegen die Abschaffung der Mindestquote unter Hinweis auf Deutschland aus, wo es eine solche Quote nicht gebe.

So erhielten in Österreich in über 80 Prozent der Privatkonkurs-Verfahren die Gläubiger Geld, in Deutschland seien es lediglich in 10 bis 15 Prozent der Verfahren. (APA, 16.5.2013)

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