Münchner Kammerspiele auf Intendantensuche

16. Mai 2013, 14:12
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Johan Simons verzichtet auf Vertragsverlängerung

München - Der Intendant der Münchner Kammerspiele, Johan Simons, wird das Haus nach der Spielzeit 2014/15 verlassen. Er wolle wieder näher bei seiner Frau und seinen beiden Kindern in Holland sein, sagte der 66 Jahre alte Regisseur und Theatermanager am Donnerstag bei der Präsentation der nächsten Saison. Der Niederländer leitet die renommierte Bühne als Nachfolger Frank Baumbauers seit drei Jahren.

Simons, der in der Nähe von Utrecht lebt, hatte seine Entscheidung dem Ensemble schon am Mittwoch bekannt gegeben. "Ich habe lange gezweifelt", sagte er. "Wenn München näher an der holländischen Grenze läge, wäre die Verlängerung für mich kein Thema gewesen". Doch das Leben sei nicht endlos: "Jeden Tag nach Hause zu gehen und dort nicht Frau und Kinder zu sehen, hält man nur fünf Jahre aus." Die Kammerspiele lobte er als "tolles Haus". Die nächsten beiden Spielzeiten wolle er in München noch einmal "Gas geben".

Die bayerische Landeshauptstadt hatte ihm eine Vertragsverlängerung bis 2018 angeboten. Kulturreferent Hans-Georg Küppers bedauerte Simons Entscheidung. Es sei ihm gelungen, das Haus organisatorisch wie programmatisch weiter zu europäisieren. Dass das Publikum ihm dabei gefolgt sei, sei für München keine Selbstverständlichkeit. Ab sofort halte die Stadt Ausschau nach einem geeigneten Nachfolger. "Die Latte hängt sehr hoch. Aber ich denke, die werden wir schon überspringen."

"Ringen um Würde" in einer "durchökonomisierten Welt"

Zur Eröffnung der kommenden Spielzeit wird Simons im Schauspielhaus an der Maximilianstraße Georg Büchners Drama "Dantons Tod" inszenieren. Er freue sich auf diesen "richtig deutschen, klassischen Stoff". Außerdem bringt er Jean Genets provokantes Stück "Die Neger" auf die Bühne. Zuvor wird Genets "Die Zofen" Premiere an den Kammerspielen haben, unter der Regie von Stefan Pucher. "Ich denke, dass es da einen ziemlichen Krach geben wird, aber das ist eben Genet", sagte Simons. Der Franzose, der selbst mehrfach wegen verschiedener Delikte im Gefängnis saß und sich prostituierte, sei ein wirklich radikaler Schriftsteller.

Roter Faden der Spielzeit 2013/2014 ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit und das "Ringen um Würde" in einer "durchökonomisierten Welt". Die Uraufführung "Ilona. Rosetta. Sue" von Aki Kaurismäki (Regie Sebastian Nübling) handelt von drei Frauen, die mit ihrer Arbeit auch den sozialen Boden unter den Füßen verlieren. Luk Perceval kehrt mit der Uraufführung von Paul Brodowskys "Wedekind" an die Kammerspiele zurück. Das Künstlerdrama ist ein Beitrag zum 150. Geburtstag von Frank Wedekind im Sommer 2014.

Der belgische Regisseur und Choreograf Alain Platel bringt mit "Tauberbach" eine weitere Uraufführung heraus. Das Stück basiert auf einer sozialkritischen Dokumentation über eine geisteskranke Frau, die auf einer brasilianischen Müllkippe lebt, und lässt Musik von Johann Sebastian Bach von taubstummen Sängern interpretieren. Die vierte Uraufführung der kommenden Spielzeit ist ein experimenteller Theaterabend von René Pollesch mit dem Titel "Gasoline Bill". Mit "Liliom" von Ferenc Molnár (Regie: Stephan Kimmig) steht dann im Schauspielhaus noch ein "Bastard aus Volksstück, Märchen und Sozialdrama" auf dem Spielplan.   (APA, 16.5.2013)

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