Leerstand deutscher Wohnungen sinkt rasch

16. Mai 2013, 13:54
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Quoten seit mehreren Jahren rückläufig, aber mit hohen regionalen Unterschieden - Experte: "Reserven ausgeschöpft, Neubau immer dringlicher"

Man könne zwar nicht von einer Wohnungsnot in Deutschland sprechen, sagt Reiner Braun, Vorstand des Forschungsinstituts Empirica. Tatsache sei aber, dass die Leerstandsquoten seit sechs Jahren rückläufig seien. Brauns Institut hat gemeinsam mit dem Immobiliendienstleister CBRE einen neuen Leerstandsindex entwickelt, der auf Bewirtschaftungsdaten von rund 600.000 Wohneinheiten sowie Analysen und Schätzungen auf Basis der Empirica-Regionaldatenbank und des Statistischen Bundesamtes beruht. Demnach standen im Vorjahr in ganz Deutschland 3,2 Prozent aller "marktgängigen" Geschoßwohnungen leer. 2011 waren es noch 3,4 Prozent, das waren 717.000 Wohneinheiten.

Hamburg nach Ländern vorne

Die regionalen Unterschiede sind freilich groß: Während im Bundesland Hamburg nur 0,7 Prozent aller "marktaktiven" Wohnungen leer stehen, sind es vielen ostdeutschen Landkreisen acht Prozent oder mehr (siehe Karte auf S. 4 im unten verlinkten "Leerstandsindex"). Nach Bundesländern betrachtet heißen die Extreme Hamburg (0,7 Prozent) und Sachsen sowie Sachsen-Anhalt (je 7,5 Prozent).

"Aussagekräftiger als Ost-West-Unterschiede sind aber die abweichenden Entwicklungen in Regionen mit schrumpfenden und wachsenden Einwohnerzahlen", meint CBRE-Manager Michael Schlatterer. In Regionen mit abnehmender Bevölkerung stagniere der Leerstand seit Jahren bei 6,4 Prozent.

Mieten vs. Leerstand

Der "Leerstandsindex" von CBRE und Empirica zeigt auch schön auf, wie sich die Mieten im Verhältnis zur Leerstandsquote verhalten: Städte mit hohem Leerstand wiesen zuletzt sogar sinkende Mieten auf, während diese in Städten mit schwindendem Leerstand in schwindelnde Höhen stiegen.

Nach Städten betrachtet (114 wurden untersucht) gibt es die niedrigsten Leerstandsquoten in München (0,6 Prozent), Hamburg (0,7) und Ingolstadt (0,8), die höchsten in Salzgitter (11,7), Chemnitz (10,4) und Schwerin (9,9). Für Braun ist vor allem die Dynamik "beeindruckend": "In fünf Städten ist die Leerstandsquote seit 2009 um mehr als einen Prozentpunkt geschrumpft", nämlich in Emden (-1,5 Prozent, allerdings von hohem Niveau aus), Magdeburg (-1,4) Frankfurt/Oder (-1,2), München (-1,0) und Berlin (-1,0 Prozentpunkte). Hohe Zuwächse gab es vor allem Neustadt an der Weinstaße (+1,0 Prozentunkt), Worms (+0,9) und Bremerhaven (+0,7).

"Reserven ausgeschöpft"

Der Abbau von Leerstandsreserven habe in der jüngsten Vergangenheit die Anspannungen am Wohnungsmarkt zumindest teilweise kompensieren können, schließt Braun aus dem vorliegenden Datenmaterial. "In den prosperierenden Wachstumsregionen sind diese Reserven nun aber weitgehend ausgeschöpft. Angesichts weiter steigender Wohnungsnachfrage und damit einhergehender Mietzuwächse wird Neubau daher immer dringlicher."

Schätzungen für den totalen Leerstand, der sowohl Geschoßwohnungen als auch Eigenheime umfasst, fallen höher aus und summierten sich auf 1,6 Millionen Geschosswohnungen sowie 1,5 Millionen Wohneinheiten in Eigenheimen. (red, derStandard.at, 16.5.2013)

  • München (Bild: Auslage in der Innenstadt) ist die deutsche Stadt mit den höchsten Mieten und dem niedrigsten Wohnungsleerstand (0,6 Prozent). Auch in Hamburg und Frankfurt stehen weniger als zwei Prozent aller "marktaktiven" Wohnungen leer.
    foto: derstandard.at/putschögl

    München (Bild: Auslage in der Innenstadt) ist die deutsche Stadt mit den höchsten Mieten und dem niedrigsten Wohnungsleerstand (0,6 Prozent). Auch in Hamburg und Frankfurt stehen weniger als zwei Prozent aller "marktaktiven" Wohnungen leer.

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