Betrogene Rohrspatzen kümmern sich auch um "Kuckuckskinder"

19. Mai 2013, 12:01
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Wiener Verhaltensforscher untersuchten Untreue und Vaterschaft beim Teichrohrsänger

Wien - Auch unter normalerweise monogam lebenden Tierarten kann es immer wieder zu Seitensprüngen kommen: So suchen sich etwa Teichrohrsänger ab und zu Paarungspartner außerhalb der festen Bindung. Schließlich erhöht das potenziell den Fortpflanzungserfolg der Tiere. Wiener Verhaltensforscher haben nun eine Reihe von Experimenten mit den  im Volksmund als Rohrspatz bekannten Vogel durchgeführt und herausgefunden, dass die Männchen ihre Mitbewerber mit aggressivem Verhalten verjagen und versuchen, ihre Partnerinnen zu überwachen. Sind die Nachkommen aber erst einmal da, sind die Väter mit vollem Einsatz für sie da, ganz egal wer der Erzeuger war, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "PLOS ONE".

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) leben prinzipiell monogam, verteidigen ihr Territorium und ziehen ihre Nachkommen partnerschaftlich groß. Die Wissenschafter am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben gemeinsam mit Kollegen der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in ihren Versuchen 31 Vogelpärchen während der fruchtbaren Tage des Weibchens potenzielle männliche Sexualpartner in einem Käfig präsentiert. Zusätzlich spielten die Forscher männlichen Vogelgesang ein. Die Wissenschafter beobachteten einerseits die Nestbauaktivität der Vögel, die Fütterung der Nachkommen und bestimmten über DNA-Analysen auch die Vaterschaftsverhältnisse.

Aggression gegen Eindringlinge und die eigene Partnerin

Die bei Teichrohrsängern bekannte vehemente Verteidigung ihres Territoriums, die als Schutz vor Fremdvaterschaft interpretiert wird, zeigte sich auch in den Versuchen. Alle Männchen reagierten sofort auf den Eindringling im Käfig. Interessierte sich auch noch ihr Weibchen für den Mitbewerber, wurden die Männchen umso aggressiver und griffen auch ihre Partnerin an. "Wir denken, dass Männchen umso aggressiver agieren, wenn die eigene Partnerin anwesend ist. Einerseits geht es hier um ein Zurschaustellen der eigenen Männlichkeit in Gegenwart des Weibchens, andererseits muss das Männchen darum kämpfen, seine Partnerin nicht an den Herausforderer zu verlieren", erklärte Verhaltensforscher Herbert Hoi in einer Aussendung der Uni.

Durch DNA-Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass viele Küken außerhalb der festen Paarbindung gezeugt wurden. Weibchen, die sich sehr um die Aufmerksamkeit des Eindringlings bemühten, wiesen später eine höhere Zahl an "Kuckuckskindern" im Nest auf. Zudem zeigte sich, dass größere Weibchen tendenziell öfter zum Seitensprung neigen als kleinere.

Fürsorgliche Väter

Überraschenderweise beeinflussen fremde Küken im Nest das Fürsorgeverhalten zumindest der Männchen nicht. Die männlichen Vögel scheinen die Nachkommen mit derselben Sorgfalt zu pflegen, egal ob es ihre eigenen sind oder nicht. Weibchen hingegen, die zuvor mit einem zweiten Bewerber konfrontiert wurden, sorgten signifikant schlechter für ihre Jungen. Die Forscher interpretieren das so, dass sich Männchen möglicherweise gleichwertig um alle Nachkommen kümmern, weil sie nicht nachvollziehen können, ob die Jungen ihre eigenen sind oder nicht. Weibchen hingegen würden ihren Partner, der den Kontrahenten nicht erfolgreich abwehren konnte, eher als schwach einstufen und deshalb weniger in die gemeinsamen Nachkommen investieren. (APA/red, derStandard.at, 19.05.2013)

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    Gegenüber potenziellen Konkurrenten verhält sich der Teichrohrsänger recht aggressiv. Hat er die "Kuckuckskinder" allerdings im Nest, kümmert er sich fürsorglich um sie als wären es seine eigenen.

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