Mietauto: Exklusive böse Überraschungen

23. Mai 2013, 17:00
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Was gilt es zu beachten, welche Versicherung benötige ich und was tun bei einem Unfall im Ausland?

Wer im Urlaub flexibel sein möchte, ist oft auf ein Auto angewiesen. Am Urlaubsort kann man für diesen Zweck ein Auto von einer Mietwagen-Firma ausleihen. Noch besser ist es, bereits daheim alles für den Fahrspaß organisiert zu haben. Kurz vor der Sommersaison raten viele Automobilclubs beim Thema Mietauto zu erhöhter Vorsicht: Immer wieder kommt es zu Missverständnissen, für die man dann persönlich tief in die Tasche greifen muss. So empfehlen die JuristInnen des ÖAMTC eine "gesunde Portion Skepsis" - und zwar bei Übernahme und Rückgabe des Mietautos.

Welche Fallen lauern wo?

Wer ein Auto ausleiht, um damit einen oder mehrere Tage am Urlaubsort herumzubrausen, sollte vor der Anmietung den Vertrag genau studieren, um Kostenfallen zu vermeiden.

Bevor der Mietwagen in die Obhut genommen wird, sollte ein Rundgang ums Auto Standard sein. So kann der technische Zustand persönlich überprüft und Mängel sofort beanstandet werden. Achten sollte man auf abgefahrene Reifen, Licht und mangelhafte Bremsen. Auch Lackschäden und Kratzer sollten gleich beanstandet werden. All diese Mängel unbedingt vom Vermieter schriftlich bestätigen lassen!

Eine der größten Kostenfallen ist der Tank. Im schriftlichen Vertrag sollte vereinbart sein, welchen Tankstand das Auto bei der Rückgabe haben soll. Steht darin, dass der Mietwagen vollgetankt retour gebracht werden muss, muss das Auto auch bei der Übernahme vollgetankt sein. Schaffen Sie es nicht, das Auto mit vollem Tank zurückzugeben, so muss man teilweise mit hohen Kosten rechnen.

Der ÖAMTC empfiehlt, keinen Wagen zu mieten, für den nicht mindestens eine Haftpflichtdeckungssumme von einer Million Euro besteht. Eine Vollkaskoversicherung für den Mietwagen ohne Selbstbeteiligung bietet den besten Schutz und sollte unbedingt gewählt werden, sonst haftet man mit seinem eigenen Vermögen. Oft steckt der Teufel im Detail: Im Kleingedruckten kann vermerkt sein, dass Scheiben, Räder, Reifen, Dach, Unterboden, Spiegel und Fahrzeuginnenraum nicht im Basis-Versicherungsschutz enthalten sind. Diese Zusatzversicherungen kann man dann gegen Aufpreis abschließen.

Zusätzliche Versicherungen wie etwa Insassen- oder Gepäckversicherungen seien jedoch unnötig und es sollte beim Vertragsabschluss genau überprüft werden, ob man diese nicht "unabsichtlich" abschließt, so der ÖAMTC. Eine Diebstahlversicherung lohnt sich, wenn sie nicht im Vollkasko enthalten ist, so der deutsche Automobilclub ADAC. Im Mietpreis sollten Mehrwertsteuer und unübersichtliche Sondersteuern bereits enthalten sein.

Was tun bei Panne, Unfall oder Diebstahl?

Wenn mit dem gemieteten Auto im Ausland etwas passiert, sollte man sicherheitshalber immer die Polizei verständigen und einen Unfallbericht anfertigen. Am besten erkundigt man sich schon im Vorhinein über Telefonnummern für Not- und Pannenfall im Urlaubsland! Auch wichtig: Welche Mitführpflichten bestehen am Ferienziel? Warnweste, Autoapotheke und Pannendreiecke sind zwar in vielen Ländern Pflicht, aber nicht jede Mietwagenfirma stellt diese auch zur Verfügung.

Wann am besten buchen?

10 Wochen vor Reiseantritt buchen, rät die Automiet-Suchmaschine billiger-mietwagen.de allen Urlaubern vor der großen Sommerferienzeit. So kann man bis zu 88 Prozent des Mietpreises sparen. Diesen drastischen Unterschied ergab die Auswertung von rund 18 Millionen Angeboten aus den Sommerferien 2012 und den Osterferien 2013. So würde man für einen Mietwagen in Paris einen Tagespreis von bis zu 47 Euro täglich berappen, wenn man nicht zeitgerecht bucht. Auch in Berlin steigen sieben Wochen vor Ferienstart die Preise: Um starke 73 Prozent auf 52 Euro pro Miettag. Wer in Mallorca ein Auto ausleiht, der zahlt sechs Wochen vor den Ferien bereits 40 Prozent mehr als davor, nämlich 35 Euro täglich.

Und noch mehr Kostenfallen

Mit ganz unterschiedlich hohen Kosten muss man rechnen, wenn man sich vom Autovermieter einen Kindersitz ausleihen möchte. Bis zu 70 Euro verlangen manche Anbieter für Babyschale oder einfache Sitzerhöhung - teilweise mehr als der Neupreis eines Kindersitzes.

Auch für viele Autofahrer unter 25 Jahren kann es teurer werden - jeder Anbieter hat hier andere Regelungen. Ein scheinbar günstiges Angebot kann aufgrund von Alterszuschlägen schnell zum teuersten werden.

Die Anzahl der Lenker ist ebenfalls preisrelevant - etwa wenn nur ein Fahrzeuglenker im Mietvertrag vorgesehen ist, aber ein zweiter angegeben wird. Es besteht oft nur für eine Person Versicherungsschutz, jeder weiterer Lenker verursacht Zusatzgebühren.

Bearbeitungsgebühren und Kilometerbegrenzung sind zwar unüblich, können aber von kleinen, lokalen Mietwagen-Unternehmen durchaus verlangt werden. Auch Reinigungskosten sollten im Mietpreis enthalten sein.

Der ÖAMTC warnt, dass viele Mietwagenfirmen Geldstrafen für Verkehrsdelikte und nicht bezahlte Parkgebühren ohne Rücksprache von der Kreditkarte des Mieters abbuchen - zusätzlich zu einer Verwaltungsgebühr.

Bei der Rückgabe sollte nochmals ein Protokoll über den Zustand des Fahrzeugs angefertigt und bestätigt werden lassen. Gibt man das Auto außerhalb der Öffnungszeiten zurück, so wirft man Schlüssel und die Papiere in einen Postkasten, der für diese Zwecke bereitsteht. Das sollte jedoch nur im Notfall passieren. (Karin Jirku, derStandard.at, 22.5.2013)

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    Wer mit dem Mietwagen keine böse Überraschung erleben will, sollte ihn bei Übernahme gut inspizieren.

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