Mitreden bei der Forschung

16. Mai 2013, 12:39
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Seit Jahren bemühen sich die Wissenschaftspolitiker, Gespräche zwischen Wissenschaft und Gesellschaft herzustellen. Aber wie kann das funktionieren? Und wozu überhaupt?

Es gibt Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung von Wissenschaft, die erklärungsbedürftig sind. In Schweden etwa gaben bei der letzten Eurobarometerumfrage zum Thema Wissenschaft und Öffentlichkeit im Jahr 2010 nur zwei von zehn Befragten an, dass wissenschaftliche Erkenntnisse für sie keine Bedeutung hätte. In Österreich hingegen waren es 57 Prozent, also fast sechs von zehn.  Konsequenterweise gaben 82 Prozent der Schweden an, Grundlagenforschung zu unterstützen, während es in Österreich gerade einmal 48 Prozent waren.

Irgendwas scheint in Österreich ziemlich falsch zu laufen bei der Kommunikation zwischen der Forschung und der Gesellschaft. Wie aber sollte sich dieses Verhältnis im Idealfall gestalten? Vor rund dreißig Jahren ging man – nicht zuletzt seitens der Wissenschaft – noch davon aus, dass es reichen würde, wenn die Öffentlichkeit nur mehr von Wissenschaft verstehen würde – dann würde sich die Akzeptanz schon automatisch einstellen.

Diese Art der Einbahnstraßenkommunikation ausschließlich von den Forscher in Richtung Bürger erwies sich als bevormundender Irrtum. Nicht zuletzt deshalb, weil Leute, die mehr über Forschung wissen, oft genug auch kritisch gegenüber Wissenschaft eingestellt. Wissenschaftsforscher und Forschungspolitiker dachten sich deshalb neue, symmetrischere Modelle der Vermittlung zwischen den Wissenschaftern und den Bürgern aus, die dann Public Engagement with Science oder Public Dialogue with Science hießen.

Die Modelle sind das eine, die konkrete Praxis ist das andere. Und daran hapert es nach wie vor. Aber soll die Wissenschaft überhaupt ein öffentliches Diskussionsthema sein? Wo liegen die Chancen, wo die Grenzen der Mitbestimmung an der Forschung?

Im nächsten EU-Forschungsprogramm Horizont 2020, das von 2014 bis 2020 läuft, sollen auch diese Fragen in die Formulierung von Scherpunkten Eingang finden. Dazu will die EU-Kommission vorab auch die Stimmen und Meinungen der Bürgerinnen und Bürger Europas hören. Der STANDARD unterstützt mit anderen europäischen Tageszeitungen wie "El País" oder die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" diese Initiative.
Und wir verweisen hiermit auf die neueste Umfrage "Ist die Wissenschaft ein öffentliches Diskussionsthema?" und bitten um Antworten und Diskussionsbeiträge – gleich hier im Anschluss und bei der Befragung. (tasch, derStandard.at, 16.5.2013)

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