Bloomberg in Datenaffäre immer stärker unter Druck

16. Mai 2013, 11:02
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Auch JPMorgan fordert weitere Informationen ein

Der Finanzdaten- und Nachrichtenanbieter Bloomberg gerät immer stärker unter Druck. Nachdem bereits zahlreiche Notenbanken, darunter auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), prüfen, ob Bloomberg-Journalisten sensible Daten einsehen konnten, fordert nun mit JPMorgan einer der wichtigsten Bloomberg-Kunden weitere Informationen. Die größte Geschäftsbank der USA teilte mit, eine entsprechende Anfrage sei an Bloomberg übermittelt worden.

Es gehe darum, mehr Details für einen Zeitraum von fünf Jahren zu bekommen. Es solle geklärt werden, welche Daten Journalisten zur Nutzung von Bloomberg-Terminals durch JPMorgan-Mitarbeiter bekommen hätten und ob sie daraus Schlüsse für ihre Berichte hätten ziehen können. Es gehe der Bank zudem um eine Bestätigung für wirksame Kontrollen.

"Unverzeihlicher" Fehler

Ein Bloomberg-Sprecher wollte sich nicht zu dem JPMorgan-Schreiben äußern. Vergangene Woche hatte das mit Thomson Reuters konkurrierende Unternehmen eingeräumt, dass Journalisten einen limitierten Zugang zu Informationen hatten, etwa wann Kunden sich einloggten, mit dem Helpdesk Kontakt aufnahmen oder zu bestimmten Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen Informationen suchten. Chefredakteur Matthew Winkler sprach von einem "unverzeihlichen" Fehler. Nach Angaben von Bloomberg wird die Praxis mittlerweile unterbunden.

Notenbanken und Behörden sind ebenso Kunden von Bloomberg wie Geschäftsbanken. Der Konzern stellt über Computer-Terminals Dienstleistungen zur Verfügung wie Kurstafeln, Statistiken oder Wertpapier-Informationen. Dazu gehören ferner Marktnachrichten, die häufig die eigenen Kunden zum Inhalt haben. Jede Information zu deren Aktivitäten kann daher von Interesse sein. Bloomberg betonte aber, in keinem Falle habe es Zugang zu Handels-, Portfolio- oder Bildschirmdaten gegeben. Auch Einblicke in den Mitteilungsverkehr der Kunden untereinander seien nicht möglich gewesen. Zudem hätten die Journalisten nicht herausfinden können, welche Nachrichten Kunden lasen. Thomson Reuters hatte erklärt, Reuters-Journalisten hätten keinen Zugang zu vertraulichen Kundendaten.

Der Bloomberg-Fall war nach einer Beschwerde von Goldman Sachs öffentlich geworden. Die US-Investmentbank argumentierte, es seien mehr sensible Daten für Journalisten einsehbar gewesen als gedacht. (APA, 16.5. 2013)

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