Wo die gefährdeten und evolutionär einmaligen Tiere zuhause sind

20. Mai 2013, 21:00
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Forscher wollten feststellen, ob Regionen mit bedrohten und besonders schützenswerten Populationen auch ausreichend unter Schutz stehen

London - Ein internationales Forscherteam hat Weltkarten erstellt, die Gebiete ausweisen, in denen evolutionär einmalige und bedrohte Säugetiere und Amphibien leben. Den Wissenschaftern ging es darum, zu prüfen, ob diese Regionen ohnehin schon Schutzgebiete sind oder ob man sie noch stärker in den Fokus rücken muss, sagte einer der Autoren des Projekts, Kamran Safi vom Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO) in Radolfzell am Bodensee. "Wir fragen: Wo sind die gefährdeten Arten und unternehmen wir schon etwas zum Schutz ihres Lebensraums?"

An der Studie - über die die Forscher im Online-Fachjournal "PLOS ONE" berichten - ist neben dem MPIO vor allem die Zoological Society of London beteiligt. Das Ergebnis: "Erstaunlich große Gebiete unterliegen gemäß dem UN-geführten Inventar der Schutzgebiete keinem besonderen Schutz", sagte Safi. "Das ist ein Warnhinweis. Wenn wir diese Artengemeinschaften erhalten wollen, müssen wir eventuell auch an anderen Orten nachschauen."

Nicht nur gefährdete Arten

Die Karte gehe über die Rote Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN hinaus, da sie nicht allein auf der Zahl bedrohter Arten basiere. Stattdessen werden insbesondere auch Tiere berücksichtigt, die aufgrund ihrer evolutionären Einmaligkeit besonders schützenswert seien - etwa, weil ihre Art schon sehr alt ist. Sie werden als EDGE bezeichnet, was im Englischen für "Evolutionarily Distinct and Globally Endangered" steht.

Ein Beispiel sei der Schwarzweiße Vari, eine auf Madagaskar lebende Lemurenart. "Sie stellen eine einmalige und sehr, sehr alte Säugetierlinie dar", sagte Safi. "Wenn sie aussterben, verlieren wir ein Stück Entwicklungsgeschichte, das so nie wieder entstehen wird."

Viele Gebiete liegen in Süd- aber auch Nordamerika und in Afrika. "In der Studie haben wir nur die weltweit allerwichtigsten Gebiete herausgehoben. Regional oder national wichtige Gebiete würden jedoch einen wichtigen Beitrag in einem vielleicht in Zukunft entstehenden Netzwerk von solchen Schutzgebieten spielen", sagte Safi. (APA/red, derStandard.at, 20.05.2013)

  • Die Karten zeigen den jeweiligen Reichtum an Amphibien- (oben) und Säugetier-Arten (unten), die gefährdet (ED) oder evolutionären einmalig (EDGE) sind. Weitere Karten aus der Studie gibt es hier.
    foto: plos one/kamran safi et.al.

    Die Karten zeigen den jeweiligen Reichtum an Amphibien- (oben) und Säugetier-Arten (unten), die gefährdet (ED) oder evolutionären einmalig (EDGE) sind. Weitere Karten aus der Studie gibt es hier.

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