Rot-Grün als Stimmenfänger für Strache?

Kommentar der anderen16. Mai 2013, 07:42
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Selbsterforschung eines angeblichen Rassismus-Sympathisanten

Die mediale Diskussion rund um den Leiter der Kinderdrehscheibe Augarten und seine Aussagen über Roma-Clan-Chefs, inclusive darauf folgendem "Postinggewitter"und Redeverbot für Norbert Ceipek provoziert die Frage nach unserer Diskussionskultur und damit auch nach dem Demokratieverständnis in unserem Land. Sowie die Frage, wem damit letztlich gedient ist.

Um dem etwas genauer auf die Spur zu kommen, ist es vielleicht hilfreich, mit einer Innenschau zu beginnen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es einem geht, wenn man mit dem Vorwurf des Rassismus konfrontiert ist.

Zunächst einmal kommt man emotional ordentlich ins Schleudern. Was hab ich wie gesagt? Hab ich irgendwas übersehen? Hab ich nicht differenziert genug argumentiert, oder mir meinen latenten Rassismus bisher einfach nur nicht eingestanden?

Solche und viele Fragen mehr gehen einem durch den Kopf und erzeugen Verunsicherung. Man ringt mit dem Begriff an sich. Was verdammt noch mal ist Rassismus genau? Wo fängt er an? Mit welcher Aussage könnte ich die Schwelle zu diesem überschritten haben? Und so weiter, und so fort.

"Ritter" der Menschenrechte

Denn eines weiß man mit Sicherheit: Ist man erst mal im "Rassismuskastl" drin, kommt man da nicht mehr so leicht raus. Warum? Die Antwort ist einfach: Jene, die diesen Vorwurf in die Welt schmeißen, fühlen sich a priori als "Ritter" der Menschenrechte, Kämpfer für Gleichheit und Würde und Wegbereiter der Aufklärung. Ihr Standpunkt scheint von vornherein hehr und differenziert, stehen sie doch auf der "richtigen" Seite - jener der Minderheiten, sie sind also die Guten. Selbstreflexion? Wozu? Zeichnen sich so auf deren "Radar" auch nur das kleinste, schemenhafte Indiz für Rassismus ab, muss der "Knüppel" schon aus dem Sack. Begründende Argumente? "Differenzierung"? Überflüssig! So sieht es zumindest der rote Gewerkschafter Andreas Schadauer vom Berufsgruppenausschuss, der zwar den Vorwurf des Rassismus erhebt, aber auch auf Nachfrage keine Notwendigkeit sieht, diesen zu "rechtfertigen". Wo kämen wir denn da hin?! Und prompt bekommt er dafür auch "grünes" Verständnis von Gemeinderätin Birgit Hebein. Auch sie erkennt die Notwendigkeit der Differenzierung nur beim Beschuldigten.

Welche Folgen aber ruft so eine Haltung hervor? Die, die das Thema ernst nehmen, haben Angst vor dem Vorwurf, reden im Zweifelsfall lieber gar nicht und überlassen das Feld jenen, die noch nie besondere Skrupel hatten, da einmal so richtig "Stimmung zu machen". Das Gefühl, dass da endlich wer ausspricht, was man immer schon gedacht hat, stellt sich so leicht ein. Deklariert man sich auch nicht offen (siehe "blaue" Umfrageergebnisse) so macht man still und heimlich dann doch ein Kreuzerl bei der "richtigen" Partei. Strache und Co. bedanken sich klammheimlich bei Rot/Grün.

Kontroversiell und auch hart am Punkt zu diskutieren bedeutet nicht Rassismus, sondern gehört zu einem demokratischen Grundverständnis. Verdrängung führt letztlich immer zu Krankheit. Ob beim Individuum oder in der Gesellschaft. Gutes wollen ist nicht gleich Gutes tun. (Anton Pototschnig, DER STANDARD, 16.5.2013)

Anton Pototschnig, Sozialarbeiter im Wiener Jugendamt und Familiencoach, ist einer jener zehn Kollegen Norbert Ceipeks, die in einem internen Schreiben gegen die Haltung des Berufsgruppenausschusses Stellung bezogen haben.

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