Bernie Ecclestone

15. Mai 2013, 19:19
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Zirkusdirektor auf dem Weg in eine neue Manege

Eigentlich könnte Bernard Charles Ecclestone einem Gerichtsverfahren wegen Bestechung und Untreue sowie im Fall des Falles einer langjährigen Haftstrafe gelassen entgegensehen. Erstens ist Bernie, wie das Arbeiterkind aus Ipswich allenthalben genannt wird, 82 Jahre alt. Und zweitens lebt er schon lange völlig ungeniert mit einem ruinierten Ruf. Immerhin könnte man darauf wetten, dass Ecclestone im Gefängnis in null Komma nichts ein Millionengeschäft aufzieht.

Die Formel 1 zu einem Milliardenbusiness zu machen dauerte etwas länger. Ecclestone, der schon als Bub auf dem Schulhof als Zwischenhändler von Süßigkeiten gewirkt haben soll, vercheckte erst Motorrad-Ersatzteile und Gebrauchtwagen, ehe er als Manager des britischen Piloten Stuart Lewis Evans in die Formel 1 einstieg. Er erwarb das klamme Connaught-Team und scheiterte in seinem eigenen Wagen an der Quali für den Grand Prix von Monaco 1958.

Wichtig war die Bekanntschaft mit Jochen Rindt, der ihn zum Geschäftspartner machte. Mit dem späteren posthumen Weltmeister diskutierte er über Strategien, die die Formel 1 zur Weltmarke machen sollten. Nach dem Erwerb von Brabham vereinte Ecclestone die Teambesitzer gegen den Automobilweltverband, dem langsam die Kontrolle über die Königsklasse entwunden wurde. Ecclestone kümmerte sich derart erfolgreich um die Vermarktung, um das Aushandeln von Startgeldern und den Verkauf der TV-Rechte, dass ihn die Teams gewähren ließen, bis sie selbst die Kontrolle verloren.

Nichts lief mehr ohne Ecclestone, der ein Vermögen anhäufte. Der Vater dreier Töchter, der sich inzwischen Urgroßvater nennen kann und dessen dritte Ehefrau 36 Jahre alt ist, schafft es knapp nicht unter die zehn reichsten Briten.

Ecclestones Beliebtheitswerte sind dagegen unterirdisch, sein Zynismus ist ebenso legendär wie sein Hang zu verbalen Entgleisungen. Für eine Aussage über Adolf Hitler in der Times ("konnte Menschen führen und war fähig, Dinge zu erledigen") musste er sich entschuldigen.

Obwohl ihm Malversationen bisher nicht nachgewiesen werden konnten, streift die Queen am Formel-1-Zampano nicht an. Britische Ehrungen blieben Ecclestone, der mit neuen Medien und dem Internet nichts am Hut hat, verwehrt. Dafür trägt er seit 2000 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Schließlich verdiente er sich kurz auch mit dem Rennen in Spielberg eine goldene Nase. (Sigi Lützow, DER STANDARD 16.05.2013)


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    Die Vergangenheit holt Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ein.

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