Nigeria startet Offensive gegen Islamisten

15. Mai 2013, 18:32
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Nach Notstands-Ausrufung im Nordosten - "Territoriale Integrität durchsetzen"

Abuja - Nach der Ausrufung des Notstands in drei Bundesstaaten im Nordosten Nigerias hat das Militär am Mittwoch mit einer militärischen Offensive gegen die radikalislamische Sekte Boko Haram begonnen. Dazu wurden mehr Truppen in die Region entsandt, von der Teile bereits durch die Islamisten kontrolliert werden. "Die Operationen, die eine massive Stationierung von Soldaten und Ressourcen beinhalten wird, zielt darauf, die territoriale Integrität der Nation durchzusetzen", teilte die Armee in einer Erklärung mit.

Am Dienstag hatte Präsident Goodluck Jonathan in einer im Fernsehen übertragenen Rede den Notstand für Yobe, Borno und Adamawa erklärt (siehe Grafik). "Wir stehen einer Rebellion und einem Aufstand von terroristischen Gruppen gegenüber, die eine sehr ernste Gefahr für unsere nationale Einheit darstellen", sagte der Präsident in seiner Ansprache. Die betroffenen Bundesstaaten gehören zu den ärmsten Gegenden des Landes.

Boko Haram verbreitet seit 2009 vor allem im muslimisch geprägten Norden Nigerias blutigen Terror und verübt immer wieder Anschläge unter anderem auf Kirchen, Polizeistationen und Lokale mit Alkoholausschank. Erst vor rund einer Woche waren Dutzende Kämpfer der Sekte in Bussen und mit Maschinengewehren bestückten Lastwagen auf die Stadt Bama im Bundesstaat Borno vorgerückt und hatten aus einem Gefängnis laut Armeeangaben rund 100 Häftlinge befreit. Bei den Kämpfen starben 55 Menschen, die meisten davon Polizisten und Angehörige der Sicherheitskräfte.

Bei einen Angriff der Islamisten Mitte April in dem Fischerdorf Baga am Tschad-See wurden fast 200 Menschen getötet. Augenzeugen sprachen jedoch der Armee die Verantwortung für einen Großteil der Opfer zu. Sie soll Racheaktionen an der lokalen Bevölkerung nach einem Mord an einem Armeekommandanten verübt haben. Die Armee wies die Vorwürfe zurück.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sollen bei Angriffen von Boko Haram oder Splittergruppen der Sekte seit 2009 mehr als 3.600 Menschen getötet worden sein. (Reuters, dpa, AFP, red, DER STANDARD, 16.5.2013)

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