Prozess um Geld für russisches Hotelprojekt in Salzburg

15. Mai 2013, 18:30
posten

Ex-Bürgermeister unter Korruptionsverdacht

Salzburg – Es hätte der krönende Abschluss seiner 23-jährigen Amtszeit als Bürgermeister von St. Martin am Tennengebirge werden sollen: Russische Investoren wollten ein Fünfsternehotel mit 400 Betten, einem Hubschrauberlandeplatz, einem öffentlich zugänglichen Frei- und Hallenbad sowie eine Liftanlage errichten. Nun sitzt der ehemalige Ortschef Rudolf Lanner (SPÖ) wegen Geschenkannahme durch Amtsträger vor dem Salzburger Landesgericht.

Stornierter Vertrag

Lanner, der bis 2011 Bürgermeister war, soll laut Anklage im Juni 2008 vereinbart haben, als gesellschaftender Geschäftsführer eine fünfprozentige Beteiligung sowie 1200 Euro pro Arbeitstag zu erhalten. Dafür hätte er sich darum kümmern sollen die 3,4 Hektar Grünland in Bauland umzuwidmen und die Realisierung des Projekts vorantreiben sollen. 70 Millionen Euro waren für das Hotel veranschlagt, 25 Millionen für die Liftanlage. Der Vertrag wurde aber wieder storniert.

Lanner bekennt sich nicht schuldig. Das Honorar wäre schließlich erst angefallen, wenn er als Bürgermeister in Pension und als Geschäftsführer der Errichtungsgesellschaft tätig gewesen wäre, betonte Lanner. Als Bürgermeister habe er niemals Geld angenommen. Richterin Daniela Segmüller hielt dem Ex-Ortschef vor, dass in den Unterlagen nichts von einer späteren Tätigkeit stehe, sondern: "Wir sind bereit, sofort zu beginnen", zitierte sie aus einem Schreiben. "Die Russen haben immer gedrängt", erklärte sich Lanner.

Prozess vertagt

Den Geschäftsführerposten hätten ihm die russischen Investoren bei einem "geselligen Beisammensein bis zwei Uhr früh" in Wien angeboten. Als die Richterin dem Ex-Ortschef die Aussage eines russischen Investors vorhielt, wonach Lanners Sohn vorgeschlagen habe seinen Vater zum Geschäftsführer zu machen, erklärte Lanner: Der Mann habe einige Sachen vertauscht "er dürfte ziemlich viel Wodka getrunken haben" .

Der Prozess wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 16.5.2013)

Share if you care.