Erkundungen von Seele und Stadt

15. Mai 2013, 18:21
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Der öffentliche Raum und die Erinnerung sind Kernthemen in Marko Lulics künstlerischer Arbeit: In der Ausstellung "Psychogeography" folgt er sehr persönlichen Wegen durch Wien

Wien - Ein bisschen mehr hätte man über Marko Lulic ja schon ganz gerne erfahren. In Anlehnung an den von den Situationisten geprägten Begriff " Psychogeography" hat er zu erkunden versucht, welchen Einfluss die städtische Umgebung und deren Architektur auf seine Wahrnehmung, das Erleben und sein Verhalten haben.

Um seinen ganz persönlichen Lebensweg nachzuvollziehen, waren jene Wiener Wohnhäuser Ziel von Lulics Stadtspaziergängen, die er im Laufe seines bisherigen Lebens bewohnte.

Der Künstler ging in der Aufarbeitung dieser Psychotour zunächst ganz systematisch vor: Alle Bildtafeln, die in der Ausstellung seiner " psychogeografischen" Annäherung dienen, beinhalten eine Fotoaufnahme des jeweiligen Hauses sowie eine Angabe zum Bezirk.

Im Zentrum der unterschiedlichen Tafeln, die nach Hernals, Favoriten oder auch in den Alsergrund führen, steht jedoch jeweils eine Frottage. Es handelt sich dabei um jene bei Kindern sehr beliebte Technik, mit der man etwa die Oberflächenstruktur von Münzen durch Abreiben auf Papier übertragen kann.

Lulic hat die Technik für sich allerdings noch einmal anders entdeckt: Bei seinen mehr oder weniger abstrakten Frottagen handelt es sich zwar ebenfalls um sehr direkte, unmittelbare "Abreibungen", allerdings hat er sich mit den von ihm bewohnten Häusern auf weit größere Objekte gestürzt.

Auf den Bildtafeln, die deswegen auch nur Teile der von ihm abgeriebenen Häuser enthalten, dokumentieren Fotografien die ziemlich absurde, persönliche und intime, aber durchaus auch selbstironische Aktion: Sie zeigen den Künstler quasi im Kniefall vor seiner Vergangenheit.

Ob die sichtlich mehr an konzeptkünstlerischen als an psychologischen Verfahren geschulte Behandlung auch wirklich erfolgreich war, lassen sie allerdings offen. Diesbezüglich hat sich Lulic durchaus Ziele gesetzt. Erahnen lässt das schließlich die Erwähnung von Folgeprojekten, in denen man in die Psyche des Künstlers vielleicht doch noch tiefere Einblicke erhalten wird. (Christa Benzer, DER STANDARD, 16.5.2013)

Bis 30. 6.
Galerie Gabriele Senn
Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien

www.galeriesenn.at

  • Mauerstrukturen, die Papier - und möglicherweise auch Bewohner - prägen: Marko Lulics "Psychogeography (Vienna, Meidling)", von 2013.
    foto: galerie gabriele senn

    Mauerstrukturen, die Papier - und möglicherweise auch Bewohner - prägen: Marko Lulics "Psychogeography (Vienna, Meidling)", von 2013.

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