Kärntner Hypo soll wienerisch werden

15. Mai 2013, 18:14
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Eine Investorengruppe rund um eine Privatbank will zugreifen. Die Einigung mit der EU drängt - sonst droht weiterer Kapitalbedarf

Wien - Die Nerven liegen schon ziemlich blank, rund um die staatliche Hypo Alpe Adria. Diese Woche will Finanzministerin Maria Fekter die aktuellen Zahlen auf dem Tisch haben - gilt es doch, noch im Mai einen präzisen Restrukturierungsplan nach Brüssel zu schicken. Klappt das nicht, kann die EU-Wettbewerbskommission die Bank noch heuer schließen lassen. Und: Sie könnte ihre vorläufige Beihilfengenehmigung annullieren, wodurch Kündigungsklauseln bei Hypo-Emissionen schlagend würden. Sprich: Hypo-Financiers könnten ihr Geld zurückfordern. Einzige Vorgabe der EU: Die staatlich gerettete Bank muss ihr Geschäft radikal zurückfahren.

Der Aktionsplan der Österreicher und der eilig gegründeten Taskforce unter Fimbag-Chef Klaus Liebscher: Die Bank soll zunächst einmal beweisen, dass sie schrumpffähig und -willig ist. Zu diesem Behufe soll die Österreich-Tochter der Hypo noch diese Woche verkauft werden - am Freitag tagt der Aufsichtsrat, der das beschließen soll. Seit 30. April sitzen in dem auch die Fimbag-Chefs Liebscher und Adolf Wala.

Zu Bestandsgarantie bereit

Bis vor kurzem hat sich für die Hypo-Österreich aber nur die indische Srei Gruppe ernsthaft interessiert; wiewohl sie das dementiert. Die Inder spitzen auf eine EU-Banklizenz; die Erhaltung der Arbeitsplätze soll ihnen kaum ein Anliegen sein. Aus diesem Grund wurde hektisch nach Alternativen gesucht, was die Bank allerdings dementiert.

Gewonnen wurden dieser Tage Investoren rund um eine kleine Wiener Privatbank, die bereit sind, die Klagenfurter Hypo (Buchwert: 150 Millionen Euro; 16 Millionen Euro Gewinn) zu übernehmen und eine Bestandsgarantie zu geben. Seit Mittwoch arbeiten Anwälte und Wirtschaftsprüfer emsig an dieser Lösung, die dem Verkäufer freilich nur einen Bruchteil des Buchwerts einbrächte.

Um den Erlös geht es aber auch weniger als eben um ein Signal an die enervierten EU-Wettbewerbshüter. Die Argumente, die ihnen die Österreicher vortragen wollen: Die Bilanzsumme fiel von 41 Milliarden Euro (bei der Notverstaatlichung 2009) auf derzeit 33 Milliarden, durch den Abzug des Abbauteils (rund zwölf Milliarden) fiele sie auf 21 Milliarden. Nach dem Verkauf der Österreich-Bank stünde man bei rund 17 Milliarden Euro. Mit dieser Rechnung wollen die Österreicher die EU von ihrem guten Willen überzeugen - und erhoffen vor allem, im Gegenzug Aufschub für die Abwicklung der Hypo zu bekommen.

Südosteuropa braucht Zeit

Zwei große Brocken blieben dann noch übrig: der Abbauteil (in dem die faulen Kredite und Immobilien-Portfolios landen) sowie das Bankennetzwerk in Südosteuropa. Für dessen Verkauf schwebt den Bankern ein Termin "frühestens 2015" vor - ob die EU das so genehmigen wird, steht aber auf einem anderen Blatt Papier. Das auszuhandeln, so heißt es in Wien und Brüssel, sei Angelegenheit der Politik.

Die Lösung für den Abbauteil muss jedenfalls blitzschnell gefunden werden. Überlegt wird ja die Gründung einer Abbaugesellschaft (Bad Bank), die Finanzministerin Fekter bis vor kurzem abgelehnt hat: Die nötigen Staatshaftungen würden die Verschuldungsquote Österreichs heben.

Der Ausweg, den auch Taskforce-Chef Liebscher bevorzugen würde: eine Abbaugesellschaft, an der sich die anderen österreichischen Banken beteiligen sollen. In dem Modell müsste der Staat geringere Haftungen übernehmen - allerdings müsste man die Banken erst einmal dazu bringen.

In der Hypo hofft man, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Abbaugesellschaft raschest geschaffen werden: per Ende Juni ist schließlich die Halbjahresbilanz fällig, und man will weiteren Vorsorge- und Kapitalbedarf abwenden. Das Best-Case-Szenario der Banker: Sollte mit dem Verkauf und in der EU alles klappen, soll die Hypo bis 2017 mit einer Kapitalspritze von rund drei Milliarden Euro das Auslangen finden. (Renate Graber, DER STANDARD, 16.5.2013)

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