Bahnwärterhaus in Bregenz wurde zur Top-Immobilie

15. Mai 2013, 19:50
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In Bregenz bekam die ÖBB über 1000 Euro pro Quadratmeter für Minigrundstück

Bregenz - Ein gutes Geschäft machte die ÖBB mit dem Bahnwärterhaus 10 am Bregenzer Seeufer. Das desolate Gebäude auf einem Minigrundstück von 190 Quadratmetern fand nach öffentlicher Ausschreibung einen Liebhaber, der den Mindestpreis von 52.000 Euro um das Vierfache überbot. Die ÖBB Immobilien bekam für das Stückchen Boden zwischen Bahn und stark befahrener Straße 211.000 Euro.

Verbauter Sonnenuntergang

Das Grundstück ist zwar als Freifläche gewidmet, da es aber mit dem Bahnwärterhaus bereits verbaut ist, darf der neue Besitzer den Bestand um maximal 50 Prozent erweitern. Das tut er nun, weil es an Platz in der Horizontalen fehlt, in der Vertikalen. Was die Anrainer von gegenüber wurmt. Denn die neue Höhe von 10, 4 Metern nimmt ihnen die Sicht auf den See.

Nicht nur der verbaute Sonnenuntergang empört Nachbarn. Da eine Straße zwischen den Gebäuden liegt, bekamen sie auch keine Parteistellung. Nun prüft die Bezirkshauptmannschaft, die Baubehörde ist, weil das Haus an der Ortsgrenze liegt, die Einsprüche.

Besitzer wehrt sich gegen Vorwürfe

Christoph Kalb, Architekt und neuer Besitzer des früheren Bahnwärterhäuschens, sieht sich mit Vorwürfen der Spekulation konfrontiert. Er werde das Haus selbst bewohnen, keine Ferienwohnung bauen, sei mit seiner Lebensgefährtin Besitzer und keineswegs Strohmann, dementiert er entsprechende Gerüchte.

Befürchtungen, dass nun weitere Freiflächen am städtischen Seeufer bebaut werden könnten, entkräftet Vize-Bürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne): "Freiflächen ohne bestehende Gebäude dürfen nicht bebaut werden und werden auch sicher nicht umgewidmet."

Enormer Anstieg der Grundstückspreise

Der Grundstücksdeal am Bahngleis - für eine Randlage wurden über 1000 Euro pro Quadratmeter bezahlt - bestätigt eine aktuelle Studie der Vorarlberger Landesregierung: Grundstückspreise stiegen in den vergangenen 14 Monaten exorbitant um 25 bis 35 Prozent. Grüne und SPÖ fordern Maßnahmen gegen Spekulation und daraus resultierende steigende Wohnungspreise. (jub, DER STANDARD, 16.5.2013)

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