Der Mensch hat den Amphibien-Killer um die Welt getragen

15. Mai 2013, 23:00
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"Apothekerfrösche", die einst für Schwangerschaftstests verwendet wurden, verbreiteten den tödlichen Chytridpilz global

San Francisco/Stanford - Das seit den 80ern weltweit grassierende Amphibiensterben hat sicher mehr als nur eine Ursache: Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen und die aktuellen Klimaveränderungen sowie Umweltverschmutzung spielen eine große Rolle. Ein wichtiger Faktor ist aber auch der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis), der bei Amphibien eine tödliche Infektionskrankheit auslösen kann und mittlerweile zu einer globalen Epidemie geführt hat.

Inzwischen hat der Pilz 200 Arten stark dezimiert oder bereits ausgerottet - unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Südamerika und Japan.

Auf den Spuren einer Pandemie

Man weiß, dass der Pilz ursprünglich aus Afrika stammt und vermutlich durch Labortiere in anderen Regionen eingeschleppt wurde. Eine aktuelle Studie bestätigt nun diesen Verdacht: "Wir haben herausgefunden, dass Afrikanische Krallenfrösche, die nach Kalifornien importiert worden sind, diesen schädlichen Pilz in sich trugen", sagt der Biologe Vance Vredenburg von der San Francisco State University. Er ist Mitautor der Studie, die im Journal "PLOS ONE" erscheint.

Batrachochytrium war nach Auskunft der Universität bereits in einem Krallenfrosch entdeckt worden, der 1934 in Afrika lebte. Nun sei er erstmals in ursprünglich wildlebenden Fröschen nachgewiesen worden, die von Afrika in die USA importiert worden seien, erläuterte Vredenburg. "Und das lässt vermuten, dass diese Frösche für das Einschleppen und die Ausbreitung dieser eingeführten und für Amphibien verheerenden Krankheit verantwortlich sind."

Der Froschtest

Von den 1930er bis 1950er-Jahren wurden tausende dieser Frösche weltweit für Labortests genutzt. Die auch heute noch gerne als Modellorganismen herangezogenen Tiere wurden früher für Schwangerschaftstests verwendet, was ihnen auch den Namen "Apothekerfrosch" eingebracht hat: Die weiblichen Frösche bekommen einen Eisprung, wenn ihnen der Urin schwangerer Frauen injiziert wird. Nach Einführung anderer Schwangerschaftstests in den 1960er-Jahren ließen viele Kliniken die Frösche frei - mit unbeabsichtigten Folgen.

Für die Studie analysierte Vredenburg in Kooperation mit Forschern der Stanford University School of Medicine Krallenfrösche, die von US-Biologen gesammelt wurden und in der Naturhistorischen Sammlung der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften archiviert sind. 23 Tiere aus dem Zeitraum 2001 bis 2010 stammen aus Kalifornien, 178 Tiere aus dem Zeitraum 1871 bis 2010 aus Afrika.

Wichtig sei es nun, die Entwicklung der Epidemie zu verfolgen, sagte Sherril Green, Professorin für Vergleichende Medizin an der Stanford University und Seniorautorin der Studie. "Es gibt Hoffnung, dass Populationen erhalten bleiben, sich auf die Krankheit einstellen und immun werden. Aber wir haben nicht genug Daten, um wirklich zu wissen, ob das geschieht." (APA/red, derStandard.at, 16. 5. 2013)

 

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    Vom lebenden Schwangerschaftstest zu Patient Zero einer Pandemie: Der Krallenfrosch wurde vom Menschen in einige bemerkenswert seltsame Rollen gedrängt.

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