Der Weg zum Kredit wird für Unternehmen steiniger

15. Mai 2013, 17:51
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Nur große Firmen kommen über Anleihen in den Genuss billigen Geldes

Wien - Heimische Unternehmen kommen schwer an Kredite. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Beratungsunternehmen Ernst & Young unter 200 heimischen Unternehmen. Ein Viertel der befragten Firmen gab an, dass die Banken den Zugang zu Krediten in den vergangenen sechs Monaten etwas oder deutlich verschärft haben.

Konkret heißt das vor allem, dass die Geldinstitute bessere und mehr Sicherheiten vor der Gewährung eines Kredits verlangen. Insbesondere in der Bau- und der Energiebranche seien die Standards angehoben worden, sagt Andreas Steiner-Posch, der bei Ernst & Young für die Beratung in Finanzierungsfragen zuständig ist. Zusehends werden auch die Schrauben bei mittelgroßen Unternehmen angezogen.

Finanzielle Schere geht auf

Tatsächlich ist in Österreich die finanzielle Schere zwischen Unternehmen aufgegangen: "Die Industrie und große Unternehmen brauchen momentan kaum Geld, weil sie ordentlich verdienen und sich aus der eigenen Ertragskraft finanzieren", sagt Steiner-Posch. Gerade die großen Unternehmen können sich zudem am Anleihenmarkt refinanzieren, der angesichts der Politik des billigen Geldes durch die Notenbanken die Unternehmen mit günstigen Konditionen locken.

Hingegen rechnet ein Viertel der Unternehmen aus der Bau-, Energie- und Dienstleistungsbranche mit einer weiteren Verschärfung der Kreditkonditionen. Denn insgesamt bleibt die Kreditfinanzierung die häufigste Finanzierungsform in Österreich, zeigt die aktuelle Studie. " Anleihen, Aktien und Schuldscheine sind die Instrumente der Großen", sagt Berater Steiner-Posch.

Kreditgeschäft lukrativer

Für die Banken ist das Kreditgeschäft damit lukrativer geworden. Im vergangenen Jahr sind die Zinsaufschläge für Unternehmenskredite von mehr als einer Million Euro in Österreich gestiegen. Für die Geldinstitute reichen jedoch die gestiegenen Kreditmargen nicht aus, um ihre eigenen Refinanzierungskosten zu verdienen, warnt Steiner-Posch.

Denn schärfere Regulierung und Wettbewerb um Spareinlagen bringen die Geldhäuser unter Zugzwang. "Banken kaufen sich Geld heute teurer ein als die topbewerteten Unternehmen", sagt Steiner-Posch mit Blick auf die Zinsen auf Bankanleihen im Vergleich zu Unternehmenspapieren. (sulu, DER STANDARD, 16.5.2013)

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    Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen zuletzt gesenkt, doch die Geschäftsbanken verschärfen die Kreditkonditionen.

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