Banken hinterfragen Bloomberg

15. Mai 2013, 16:35
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Die Finanzbranche sorgt sich um ihre Sicherheit bei der Verwendung der Bloomberg-Terminals. Dazu kommen ein Datenleck und die Ambitionen des Unternehmens, den Banken Konkurrenz zu machen

New York / Wien - Bloomberg kommt nicht zur Ruhe. Behörden aus den USA, Großbritannien, Europa, Japan und China untersuchen, was genau Journalisten der Nachrichtenagentur von den Daten, dem Nutzungsverhalten und den Transaktionen der Nutzer der weltweit 315.000 Terminals einsehen konnten. Für tausende Banker und Fondsmanager sind die Bloomberg-Terminals das Tor in die Finanzwelt. Bloomberg liefert von indonesischen Anleihen bis zu US-Hedgefonds sämtliche Daten über die Finanzmärkte.

Mit einer einfachen Funktion konnten die Journalisten Wichtiges über das Nutzungsverhalten der Terminal-Kunden einsehen. Nun überdenken große Finanzinstitute wie JPMorgan und Goldman Sachs ihre Kooperation mit dem Datendienst. JPMorgan führe "einen ernsten Dialog" mit Bloomberg und prüfe alle Optionen, heißt es. Auch die Schweizerische Notenbank und die Oesterreichische Nationalbank prüfen, ob Bloomberg-Journalisten ihre Nutzungsdaten einsehen konnten.

Am Dienstag war zudem bekannt geworden, dass mehr als zehntausend E-Mails von Bloomberg-Nutzern aus den Jahren 2009 und 2010 öffentlich zugänglich waren. Eine Suche über Google förderte diese Daten laut der Financial Times zutage. Sie wurden gelöscht.

Ambitionierte Expansionspläne

Mit den Finanzdaten lässt sich auch trotz der Krise gut verdienen. Das Unternehmen Bloomberg, Nachrichtenagentur und Finanzdatendienst in einem, verdient mit jedem der 315.000 Terminals weltweit rund 20.000 Dollar pro Jahr. Auf ein Jahr hochgerechnet verdient Bloomberg damit mehr als sechs Milliarden Dollar. Dazu kommen noch Medienerlöse. Von den 15.000 Mitarbeitern arbeiten 2400 im Journalismus.

In den vergangenen Jahren hat das US-Unternehmen ambitionierte Expansionspläne vorangetrieben. Gewachsen ist das vom heutigen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gegründete Unternehmen vor allem im Bereich Daten und Handel. Redaktionell wurden zudem neue Branchen erschlossen. Für Anwälte und Lobbyisten wurden eigene Dienste aufgebaut. Bis 2014 wollte der Vorstand den Umsatz auf zehn Milliarden Dollar steigern, ein Ziel, das wohl verfehlt wird. 2012 setzte das Unternehmen knapp acht Milliarden Dollar um.

Die Expansionspläne haben auch die Banken auf den Plan gerufen. Denn in vielen Fällen, etwa mit Tradebook, macht Bloomberg traditionellen Geldinstituten beim Handel von Wertpapieren Marktanteile streitig.

Konkurrenz für die Wall Street

Für Larry Tabb, Experte für Kapitalmärkte und Gründer des Beratungsunternehmens Tabb Group, hat sich Bloomberg in den vergangenen Jahren zu einer Konkurrenz für die Wall Street entwickelt. Das Angebot von Vermögensverwaltung und Research lässt ihn zu dem Schluss kommen: " Bloomberg sieht immer stärker wie ein Börsenmakler aus." Das Unternehmen hat den Vorteil, dass es über die Terminals von vielen unterschiedlichen Finanzunternehmen Preise für Wertpapiere einholen kann.

Angesichts der Spionagevorwürfe versucht etwa Goldman Sachs, seine Abhängigkeit zu reduzieren. Die Bank überlege, eigene Technologie, etwa zur sicheren Kommunikation seiner Händler, zu entwickeln. (sulu, DER STANDARD, 16.5.2013)

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    Das Finanzunternehmen Bloomberg lebt von seiner Diamantenmine an Daten. Das Unternehmen verdient Milliarden mit den Terminals, Journalisten sollen aber zu viel über Kunden gewusst haben.

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