Sagen, was man nicht sagen soll

15. Mai 2013, 17:50
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Jakob Lena Knebls Mahnmal "Schwule Sau" am Morzinplatz in Wien erinnert an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen, Lesben und Transgender-Personen

Wien - "Du schwule Sau" - das lernt man schon als kleines Kind -, so etwas sagt man nicht. Weil es abwertend und abfällig ist. Dass man es gerade deshalb sagen muss, das ist der Ansatz Judith Butlers in ihrer Theorie der Performativität politischen Diskurses. Indem man die Begriffe, sei es nun "Schwuchtel" oder "Nigger", benutzt und sie sich dadurch aneignet, kommt man ihrer verletzenden Macht zuvor. Genau dieses Mechanismus bedient sich Jakob Lena Knebl in der Installation Schwule Sau auf dem Morzinplatz.

Das temporäre Mahnmal erinnert dort, wo sich im Dritten Reich die Wiener Gestapo-Zentrale befand, an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen, Lesben und Transgender-Personen. Knebl stellt sich selbst als "Mannweib" aus. Er zwingt zum Hinschauen - auch durch die schön anzusehende Form des Mahnmals in der Designsprache der klassischen Moderne, durch die fröhlichen Farben. Selbst der aufgeklärte, moderne Mensch, zeigt das, wirft den Blick auf ernste Themen eben lieber, wenn er durch die schöne Form verführt wird. (hein, DER STANDARD, 16.5.2013) 

Bis 10. November

  • Erinnert an die Verfolgung Homosexueller: Jakob Lena Knebls temporäres Mahnmal "Schwule Sau" auf dem Morzinplatz.
    foto: michael strasser © jakob lena knebl / vbk, wien

    Erinnert an die Verfolgung Homosexueller: Jakob Lena Knebls temporäres Mahnmal "Schwule Sau" auf dem Morzinplatz.

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