Studie: Hersteller-Zahlen zu Videospiel-Piraterie übertrieben

15. Mai 2013, 15:29
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Umfassende Analyse widerlegt auch gängige Mythen

Um in die anhaltende Diskussion um Videospiel-Piraterie objektive Daten einzubringen, haben Forscher mehrerer Universitäten eine groß angelegte Analyse von BitTorrent-Datenströmen durchgeführt.

Zuvor hieß es von Seiten der Entertainment Software Association, einem Verband der Games-Branche, dass man im Dezember 2009 fast zehn Millionen illegale Downloads von insgesamt 200 Spielen erfasst hätte. TorrentFreak wiederum berichtete, dass die fünf beliebtesten Spiele für den PC im Jahre 2010 insgesamt 18,14 Millionen Mal von Filesharingplattformen heruntergeladen wurden. Hinzu kommen weitere 5,34 Millionen Downloads für die Top 5 der Konsolenspiele.

Umfassende Analyse über drei Monate

In einem dreimonatigen Zeitabschnitt zwischen 2010 und 2011 beobachteten nun Wissenschaftler der Universität Aalborg, der Northeastern University sowie der Copenhagen Business School die Verbreitung von 173 Videospielen für 14 verschiedene Plattformen via BitTorrent, wie Wired berichtet.

Dazu wurde ein eigener WebCrawler entwickelt, der periodisch Kontakt mit einer BitTorrent-Suchmaschine aufnahm und für betroffene Spiele (abgesehen von legalen Torrents und jenen, die nicht das vollständige Produkt enthielten) erhoben, wie viele "Peers" gerade am Verbreitungsprozess teilnahmen. Die so erhobenen Daten wurden schließlich nach weiteren Kriterien aufgesplittet.

12,6 Millionen Filesharer

Insgesamt konnte man 12,6 Millionen unterschiedliche Teilnehmer aus 250 Regionen orten, die die jeweiligen Spiele illegal verbreiteten. Zum damaligen Zeitpunkt standen besonders Titel wie "Fallout: New Vegas", "Darksiders", "Call of Duty: Black Ops" oder "Starcraft 2" besonders hoch im Kurs.

Die zehn beliebtesten Titel vereinten im Erhebungszeitraum 42,7 Prozent oder 5,37 Millionen der Peers auf sich. 76,7 Prozent der gesamten Filesharing-Aktivität entfiel auf 20 Länder. Gemessen an der Einwohnerzahl führt Rumänien dieses Ranking vor Kroatien, Griechenland, Portugal und Ungarn an. Anders Drachen, einer der Aalborger Forscher zeigt auch auf, dass es bei Games-Piraterie keinen signifikanten Unterschied zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern gibt.

Kurzer Hype nach Release

Die nachgefragtesten Genres unter den Filesharern waren Rollenspiele (18,9 Prozent), Action-Adventures (15,9 Prozent), Third-Person-Shooter (12,7 Prozent) und Rennspiele (9,3 Prozent). Ebenso konnte ein Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Wertung eines Spieles auf Metacritic und dem Ausmaß der BitTorrent-Aktivität gefunden werden.

Die Forscher weisen besonders auf ein typisches Muster hin, dass sie erkennen konnten. Kurz nachdem ein Titel das erste Mal auf BitTorrent auftaucht, verzeichnet er in wenigen Tagen üblicherweise einen massiven Popularitätszuwachs, bevor die Aktivität dann graduell abfällt. Daher sind Fehlschlüsse wahrscheinlich, wenn Daten nur über einen kurzen Zeitraum erhoben werden.

Bisherige Angaben zu hoch

"Zuallererst: P2P-Piraterie ist ausgesprochen verbreitet. Allerdings legen die Ergebnisse unserer Untersuchung nahe, dass das bisher vermeldete Ausmaß zu hoch gegriffen ist", so Drachen weiter. "Auch einige oft wiederholte Mythen dürften nicht stimmen, etwa dass nur Shooter illegal verbreitet werden, da wir eine Menge Aktivität auch bei Kinder- und Familienspielen messen konnten."

Die Studie kann unter diesem Link im Volltext (PDF) nachgelesen werden. (red, derStandard.at, 15.05.2013)

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    Filesharing ist verbreitet, wird aber nicht in dem Umfang betrieben, wie es die Industrie oft behauptet.

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