Forscher untersuchen einen notorisch aktiven Schichtvulkan

18. Mai 2013, 17:58
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Der Soufrière Hills auf Montserrat brach 1995 nach 300-jähriger Ruhephase aus und kommt seitdem nicht mehr zur Ruhe

Kiel - Seit 1995 ist der Soufrière Hills, der größte Vulkan auf der Karibikinsel Montserrat, beinahe ununterbrochen aktiv. Immer wieder fließen dort Pyroklastische Ströme ins Meer, mehrmals rutschten sogar ganze Hänge in die Küstengewässer. Forscher haben die dadurch entstandenen Ablagerungen nun untersucht, wie das Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Unter anderem hofft man auf weitere Erkenntnisse über die künftige Aktivität des Schichtvulkans.

1995 brach der im Zentrum der Insel gelegene Vulkan nach einer rund 300-jährigen Ruhephase aus. In den folgenden zwei Jahren ergossen sich mehrmals Pyroklastische Ströme, 500 Grad Celsius heiße und bis zu 100 km/h schnelle Glut- und Aschelawinen, über die Stadt und ihre Umgebung. 1997 gaben die Behörden Plymouth endgültig auf. Die gesamte Südhälfte der Insel Montserrat ist seitdem Sperrgebiet und der Soufrière Hills ist bis heute sehr aktiv.

Langzeitbetrachtung

Diese lang anhaltende Folge von Eruptionen bietet Wissenschaftern aber auch die Chance, mehr über das Verhalten von Vulkanen und daraus resultierende Gefahren zu lernen. Diesem Ziel diente eine Expedition des britischen Forschungsschiffs "RRS James Cook" im Mai 2010. In ihrem Verlauf wurden vulkanische Ablagerungen vor der Ostküste der Insel kartiert. Einige dieser Ablagerungen sind während der jüngsten Ausbruchsphase entstanden, andere schon vor mehreren tausend Jahren.

Mit einem in Kiel entwickelten System konnten hoch aufgelöste, dreidimensionale Abbilder des Untergrunds erstellt werden. Die Ergebnisse der Vermessungen präsentieren die Kieler Forscher jetzt gemeinsam mit ihren britischen Kollegen in einer Reihe von Publikationen, die seit Jahresbeginn in mehreren internationalen Fachzeitschriften erschienen sind.

Bessere Einschätzung des Gefahrenpotenzials

Die Kenntnis dieser Prozesse ist für die Gefahrenabschätzung überaus wichtig. Denn Vulkane bedrohen Menschen nicht nur, wenn sie ihr Material direkt über bewohntem Gebiet abladen. "Im Laufe seine Existenz sind immer wieder Teile des Soufrière Hills abgebrochen und im Osten und Süden der Insel ins Meer gerutscht. Einige der älteren Erdrutsche hatten ein Volumen von über fünf Kubikkilometern und bewegten sich mehr als zehn Kilometer weit ins Meer. Sie erzeugten höchstwahrscheinlich auch Tsunamis", sagt der Kieler Forscher Christian Berndt Berndt.

Doch selbst kleinere vulkanische Hangrutschungen haben das Potenzial, Tsunamis zu erzeugen. So löste ein Pyroklastischer Strom, der in Folge eines teilweisen Kollapses des Vulkangipfels entstand, im Jahr 2003 einen Tsunami aus, der an der Ostküste Montserrats 15 Meter erreichte und auf der Nachbarinsel immerhin noch einen Meter hoch war.

"Mit unseren 3D-Daten können wir auch geologische Computermodelle eichen, mit denen man in Zukunft das Gefahrenpotenzial von Inselvulkanen besser abschätzen kann", so Berndt abschließend. (red, derStandard.at, 18. 5. 2013)

 

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    Ausbruch des Soufrière Hills im Jahr 2010. Darunter die verwüstete und mittlerweile aufgegebene Stadt Plymouth.

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