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Österreich braucht (k)eine Energiewende

17. Mai 2013, 12:14
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Die Energiewende wird obsolet, wenn zwar (er)neue(rbare) Energie produziert wird, nicht aber der Bedarf bzw. die Nutzung angepasst wird. Deshalb plädiert Stefan Schleicher, Experte für Klima und Globalen Wandel, für eine Synchronisation des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit der Aufnahmefähigkeit der bestehenden Infrastruktur.

Seit Fukushima im März 2011 hat die Energiewende in vielen Ländern einen Zahn zugelegt. Vorreiterland Deutschland setzte mit dem Beschluss zum Atomaustritt (Juni 2011) einen wesentlichen Schritt. Nun, da eine massive Veränderung in der Energieversorgung eines großen Industrielandes in Gang gesetzt ist, fragen sich Experten, ob das Pferd nicht von hinten aufgezäumt wurde.

Notwendige Schritte einer Energiewende

Die Transformation eines Energiesystems bedarf laut Stefan Schleicher, Professor am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel und am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität in Graz, drei Umsetzungsschritte:

  1. Vermeiden einer Überproduktion von Energiedienstleistung
  2. Effiziente Anwendungs- und Transformationstechnologien
  3. Zusammenstellung eines durchdachten Energiemixes, der den Energiebedarf decken kann

Erfahrungsschatz Deutschland

Der Atomausstieg Deutschlands setzte direkt beim dritten Schritt an – der Veränderung des Energiemixes -, ohne sich vorher ausreichend mit den Fragen der Energiedienstleistungen und der Energieeffizienz zu beschäftigen.

Erst im letzten Jahr fokussierte man stärker auf Schritt eins und zwei der Transformation und stellte fest, dass eine Energiewende zum Scheitern verurteilt ist, wenn der Energiebedarf nicht dauerhaft gesenkt wird, nachfrageseitig Kosten eingespart werden (die Implementierung erneuerbarer Energien leistbarer wird) und die bestehenden Netze ausgebaut werden.

Alternativer Zugang

Für die zielführende Implementierung einer Energiewende sieht Schleicher zwei Bausteine als zentral: zu verstehen, wie das stufenförmige Energiesystem (kaskadische Struktur) mit seiner zentralen Rolle der Energiedienstleistung aussieht, und welche Energieträger notwendig sind um diese Dienstleistungen zu erfüllen.

Erst wenn diese Punkte analysiert sind, lassen sich Bedarf und Qualität der erforderlichen Primäranlagen erfassen – also die Zusammenstellung eines adäquaten Energiemixes.

In Österreich wurden Studien, die sich mit dem kaskadischen Verständnis des Energiesystems bereits in den Planungsprozess des österreichischen Klimaschutzgesetzes eingebunden. Die für 2020 und 2030 entwickelten Energieperspektiven und dahinter liegenden Modellanalysen bis 2050 bauen explizit auf dieser Struktur auf und machen die Potenziale für die Transformation von den Energiedienstleistungen über die Anwendungs- und Transformationstechnologien bis zu den Änderungen im Energiemix sichtbar.

Erkenntnisse der Studien gehen mit den anzustrebenden Strukturen des künftigen Energiesystems einher:

  1. Energieeffizienz wird zur wichtigsten Energiequelle.
  2. Langfristig sollten alle Energiedienstleistungen mit der Hälfte der aktuellen Energiemengen erfüllbar sein.
  3. Elektrizität wird sich zum wichtigsten Energieträger entwickeln, weil deren besondere Wertigkeit für mechanische und spezifisch elektrische Dienstleistungen erforderlich ist.
  4. Erneuerbare Energien sollten auch in Österreich gut 80% des verbleibenden Primärenergiebedarfs abdecken (dafür ist eine Expansion der derzeitigen Mengen an Erneuerbaren um etwa ein Drittel notwendig).

Fazit

Für die erfolgreiche Energiewende ist es für Schleicher unerlässlich die richtigen Fragen zu stellen, nämlich nicht „Woher möglichst viel erneuerbare Energie?", sondern „Für welche Energiedienstleistungen sind welche Mengen und Qualitäten an Energie erforderlich?". Energiemengen und deren Deckung durch Erneuerbare sollen nicht mehr Startpunkt der Argumentation, sondern deren Endpunkt sein.

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