ThyssenKrupp streicht 3.000 Verwaltungsjobs

15. Mai 2013, 13:27
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Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden. Im ersten Halbjahr machte der Konzern 822 Millionen Euro Verlust

Essen - Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern verschärft sein Sparprogramm und will 3.000 Arbeitsplätze in der Verwaltung streichen. Rund 1.500 Stellen sollen in Deutschland wegfallen. Weltweit werde damit jeder fünfte Job in der Verwaltung des Konzerns gestrichen, teilte das Unternehmen mit. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden.

An der Börse waren die Aktien von ThyssenKrupp am Mittwoch zunächst Spitzenreiter im DAX. Bis zum Mittag legte das Papier um rund 2,6 Prozent zu.

250 Millionen in drei Jahren einsparen

Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren durch das Programm rund 250 Millionen Euro eingespart werden. Das Unternehmen hatte in diesem Jahr bereits die Streichung von 2.000 Stellen in seinem europäischen Stahlgeschäft vorwiegend in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt der aktuellen Stellenstreichungen in der Verwaltung soll die Hauptverwaltung in Essen sein.

In der Zahl enthalten sind auch einige hundert Jobs in der Stahl-Verwaltung, sodass derzeit insgesamt etwas weniger als 5.000 Stellen auf der Streichliste des Konzerns stehen. ThyssenKrupp beschäftigt derzeit weltweit gut 150.000 Mitarbeiter, davon gut ein Drittel in Deutschland.

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 hat das Unternehmen mit einem Minus von 822 Millionen Euro weiter tiefrote Zahlen geschrieben. Wesentliche Ursache seien weitere Abschreibungen auf die Stahlwerke in Übersee von 683 Millionen Euro, teilte ThyssenKrupp mit. Hinzu kamen weitere Verluste im amerikanischen Stahlgeschäft. Im europäischen Stahlgeschäft verbuchte ThyssenKrupp im ersten Halbjahr einen Einbruch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 85 Prozent. Mit einem Plus von 19 Millionen Euro konnte der Konzern in seiner Traditionssparte jedoch noch schwarze Zahlen schreiben.

Eigenkapitalquote rückläufig

Die Eigenkapitalquote des Konzerns ging innerhalb von drei Monaten von 11,8 Prozent auf nur noch 9,5 Prozent zurück. Die Nettoschulden des Konzerns liegen bei rund 5,3 Milliarden Euro. Die seit einem Jahr zum Verkauf stehenden Stahlwerke haben sich als Milliardengrab erwiesen. Die mit einem Gesamtaufwand von rund zwölf Milliarden Euro errichteten Anlagen stehen derzeit noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern.

Der Verkaufsprozess für die Stahlwerke in Brasilien und den USA verlaufe nach Plan, sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger laut Mitteilung. "Wir konzentrieren uns unverändert darauf, ein Signing zeitnah zu erreichen", so der Konzernchef. ThyssenKrupp hatte zuvor angekündigt, den Verkauf bis Ende September abschließen zu wollen.

Die beiden Werke hatten bereits zuvor für milliardenschwere Abschreibungen im Konzern gesorgt. Das zurückliegende Geschäftsjahr 2011/2012 hatte ThyssenKrupp mit einem Rekordverlust von rund fünf Milliarden Euro abgeschlossen.

Verhältnis zu Krupp-Stiftung

Das Verhältnis der Großaktionärin Krupp-Stiftung zum Konzern solle in einigen Punkten neu geregelt worden, hieß es. In diesem Zusammenhang sollen unter anderem die bestehenden Jagdpachten des Unternehmens abgegeben werden. Daneben habe der Vorstand "klare Richtlinien" zur Nutzung des Firmenflugzeugs und für die Durchführung von Reisen mit Dritten erlassen.

ThyssenKrupp-Patriarch und Krupp-Stiftungschef Berthold Beitz soll den Firmenjet für Flüge nach Sylt oder zum Jagdrevier nach Salzburg genutzt haben. Das Unternehmen hatte die Nutzung des Firmenjets mit der herausragenden Position von Beitz, seiner Lebensleistung und der Position als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates gerechtfertigt. Erst in der vergangenen Woche hatte die Essener Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Beitz für die Nutzung des Jets nicht mit Ermittlungen rechnen müsse. (APA, 15.5.2013)

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