Das Dorf, das ein Vierteljahrhundert im Wasser lag

Ansichtssache15. Mai 2013, 13:47
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500 Kilometer südwestlich von Buenos Aires versank 1985 ein Kurort im Salzsee - 2009 wurde er wieder freigegeben

In Argentinien erzählt man sich die Legende von Carhue, dem Häuptling des Puelche-Stammes. Er wurde einst von einer mysteriösen Lähmung geheilt, nachdem er in einen See aus Tränen seiner Geliebten Epecuén ("Der ewige Frühling") gestiegen war.

Wie jede Legende trägt auch die von Carhue einen wahren Kern. Den See, Laguna Epecuén, gibt es wirklich, und weil er einen zehn Mal höheren Salzgehalt als Meerwasser aufweist, wurden seit jeher regelmäßige Badegänge zur Heiltherapie empfohlen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Mobilität der Menschen, und so wurden auch die Besucher am See in der sprichwörtlichen Pampa immer mehr. 1921 entstand am Ostufer der Kurort Villa Epecuén.

Endzeitszenario mit Salzkruste

Bis 1985 florierte der Gesundheitstourismus, aber dann barsten nach wochenlangen Regenfällen die Lehmwälle um das Dorf und Villa Epecuén versank für fast ein Vierteljahrhundert im Wasser. 2009 gab der See wegen der örtlichen Regenarmut die Gebäude, die Autowracks und die Baumgerippe wieder frei, aber nicht ohne sie zuvor in eine weiße Salzkruste zu manteln.

Der frühere Kurort ist heute zu einer bizarren Ruinenstadt geworden, die jedem Locationscout einer Hollywood-Apokalypse feuchte Augen machen dürfte - so wie es einst der schönen Epecuén passierte. (mm, derStandard.at, 15.5.2013)

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