Ab 200 Dollar: 3D-Drucker sollen Haushalte erobern

15. Mai 2013, 10:09
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Buccaneer und MakiBox - Preis bringt Massenmarktchance, Qualität aber fraglich

Bis viele Haushalte ihren ersten 3D-Drucker haben, könnte es nicht mehr all zu lange dauern. Gut ausgestattete Geräte für den Privatgebrauch sind zwar immer noch ein Investment in der Höhe eines vierstelligen Eurobetrages, aber nicht mehr unleistbar. Eine neue Generation der Geräte schickt sich an, die Preisbarriere für den Massenmarktdurchbruch gänzlich zu sprengen.

Die Kostenhürde fällt

Der Buccaneer von Pirate3D ist einer dieser neuen "Billig 3D-Drucker". Er wurde vor kurzem vorgestellt, eine noch zu startende Kickstarter-Kampagne soll seine Realisierung ausfinanzieren.. Die schnörkellos gestaltete Druckmaschine soll sich auch via Smartphone und Tablet bedienen lassen, Drucken aus der Clound unterstützen und nur 350 Dollar kosten, was nach aktuellem Kurs rund 270 Euro entspricht. Die weiteren Spezifikationen wurden ebenfalls kürzlich veröffentlicht.

Doch manche legen die Latte noch niedriger. Nicht ganz so schick, aber bereits bestellbar ist die MakiBox. Mit ihr lassen sich zwar nur recht kleine Modelle mit einem Maximalmaß von 150 x 110 x 90 Millimeter realisieren, der Bausatz für die kleinste Fassung schlägt dafür nur mit 200 Dollar oder rund 155 Euro zu Buche – der Preis eines Einsteiger-Smartphones. Im Juni könnte die Produktion der MakiBox beginnen.

Preis vs. Qualität

Gegenüber ihren teuren Artgenossen weisen die Lowcost-Drucker freilich einige Einschränkungen auf. Neben der geringeren Modellgröße betrifft dies etwa die Druckgeschwindigkeit und -präzision. Doch nicht nur das. Auch die Qualität des Gerätes allgemein steht in Frage.

"Bei solchen Billig-Geräten wird oft sehr stark eingespart", ruft Benjamin Krux von Reprap Austria gegenüber pressetext zur Vorsicht auf. Während bekanntere Hersteller zusehends auf hochwertigere Komponenten setzen und tendenziell sogar teurer werden, stehen bei MakiBox und Co. Qualität und Beständigkeit in Frage. Es ist nicht auszuschließen, dass es bei diesen Geräten schon nach kurzer Nutzungsdauer zu Problemen kommt.

Ähnlich sieht man das bei der TU Berlin. Ben Jastram, Leiter des dortigen 3D-Labors, hält fest, dass Drucker dieser Preisklasse sich wohl für das Herstellen lustiger Spielzeugfiguren eignen würden, man bei der Herstellung von belastbaren Ersatzteilen für verschiedene Zwecke aber bei Profi-Ausstattung besser aufgehoben sei.

Open Source-Projekte als Vorreiter

Vorreiter der jetzigen Entwicklung sind nach Jastrams Ansicht Open-Source-Projekte wie Reprap. Dass dort erarbeitete Know-How hilft auch Herstellern wie Pirate3D beim Senken der Entwicklungskosten. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen wahrscheinlich auch von Förderungen in seinem Heimatland Singapur. Dort fördert die Politik die 3D-Druckindustrie fünf Jahre lang mit insgesamt 500 Millionen Dollar.

Zukunft als Service?

Nicht alle sind davon überzeugt, dass sich 3D-Drucken in Haushalten und Klassenzimmern etablieren wird. Technologie-Analyst Michael Wolf sieht die Zukunft der Technologie vor allem im Service-Sektor und nicht im Eigenheim, wie er in einem Kommentar bei Forbes darlegt. Sprich: Anstelle des eigenen 3D-Druckers stehen für die meisten Anwender Firmen wie Shapeways, die für kleines Geld selbsterstellte Modelle drucken und liefern. (red, derStandard.at, 15.05.2013)

(Video: Zusammenbau einer MakiBox)

Update, 15.05., 17.40 Uhr: Die MakiBox ist entgegen der ersten Formulierung noch nicht erhältlich, kann aber schon bestellt werden. Aktuell rechnet man damit, dass die Produktion im Juni anläuft. Dies wurde im Text entsprechend korrigiert.

  • Geräte wie der Buccaneer (l.) und die MakiBox (r.) könnten für den 3D-Druck den Massenmarkt erschließen.
    foto: pirate3d/makibox.com

    Geräte wie der Buccaneer (l.) und die MakiBox (r.) könnten für den 3D-Druck den Massenmarkt erschließen.

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