Eisenbahner protestieren für 38,5 Stunden-Woche

15. Mai 2013, 14:34
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Laut Gewerkschaft versammelten sich Tausende, für die Fahrgäste hielten sich die Unannehmlichkeiten in Grenzen

Wien - Die Eisenbahner-Gewerkschaft hat ihrer Forderung für eine Arbeitszeitverkürzung von 40 auf 38,5 Stunden am Mittwoch in Betriebsversammlungen in Bahnunternehmen bundesweit Nachdruck verliehen. Mit den heute, Mittwochfrüh, bundesweit abgehaltenen Betriebsversammlungen zeigen sich die Arbeitnehmervertreter zufrieden.

Tausende Eisenbahner nahmen laut Gewerkschaft daran teil, die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste hätten sich in Grenzen gehalten, heißt es in einer Aussendung. Auf den Fernverkehr hatten die Betriebsversammlungen offenbar keine Auswirkungen, im Regionalverkehr seien einige Züge ausgefallen, hieß es auf Anfrage. Schon im Vorfeld hatte die Gewerkschaft vida angekündigt, sie wolle keine Eskalation der Lage.

Zurück an den Verhandlungstisch

Die Wirtschaftskammer kehre nun an den Verhandlungstisch zurück, freut sich vida-Verkehr-Vorsitzender Roman Hebenstreit. Damit habe man ein erstes Etappenziel erreicht. Am 22. Mai soll nun mit dem Fachverband Schiene in der Wirtschaftskammer verhandelt werden. Dieser Termin war kurz vor dem heutigen Protest-Tag zustande gekommen. "Wir begrüßen, dass der Sozialpartner nun an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Ich hoffe, dass die Wirtschaftskammer jetzt nicht versucht, Ergebnisse auf die lange Bank zu schieben. Eventuelle Protestmaßnahmen behalten wir uns deshalb weiterhin vor", betont Hebenstreit.

Die Gewerkschaft pocht darauf, dass bereits im Gehaltsabkommen 2012/13 Verhandlungen mit der Gewerkschaft über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38,5 Stunden vereinbart worden seien. Die kürzere Arbeitszeit solle zur Entlastung der Beschäftigten sowie zur Neuverteilung und zur Schaffung von über 1.000 Arbeitsplätzen im Eisenbahnbereich genutzt werden. Die Gespräche seien aber nach zwei Gesprächsrunden von den Arbeitgebern abgebrochen worden. Die Gewerkschaft hat dies als einen Bruch des Gehaltsabkommens gewertet.

ÖBB für Arbeitszeitverkürzung

Das bei weitem größte Bahnunternehmen, die ÖBB, hat sich bereits für eine Arbeitszeitverkürzung ausgesprochen. Da die Bundesbahn auf betriebsbedingte Pensionen verzichtet hat, würde ihr eine Arbeitszeitverkürzung helfen. "Ich kann nicht eine ganze Branche in Geiselhaft nehmen, wenn ich ein Problem der ÖBB lösen will", wehrt sich Fachverbandsobmann Scheiber. Er vertrete zwar auch die ÖBB, aber auch andere Bahnunternehmen. Außerdem müsse man sich an anderen Verkehrsunternehmen orientieren, in der Busbranche gebe es auch die 40-Stunden-Woche.

Der Fachverbandsobmann Thomas Scheiber dagegen lehnt diese Verkürzung weiter ab. Die Betriebsversammlungen kritisierte er als "kontraproduktiv und nicht lösungsorientiert". In der Sache bekräftigt er seinen Standpunkt: Laut Kollektivvertrag komme ohne Einigung über eine 38,5-Stunden-Woche per 1. Juli eine 3,5-prozentige Lohnerhöhung. Seiner Ansicht nach wollten die Arbeitnehmer bzw. die Betriebsräte diese Lohnerhöhung, weil es bereits in mehreren Jahren Lohnerhöhungen unter der Inflationsrate gab, also einen Reallohnverlust. (APA, 15.5.2013)

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    Im Regionalverkehr sind durch den Protest einige Züge ausgefallen.

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