Yellowstone-Park: Eingewanderte Forelle bedroht junge Hirsche

19. Mai 2013, 17:38
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Indirekter Effekt: Grizzlybären verschmähen neue Fischart und konzentrieren sich verstärkt auf junge Wapitis - Dies könnte gesamtes Nahrungsnetz verändern

London - Eine verhältnismäßig kleine Veränderung in der Artenzusammensetzung des amerikanischen Yellowstone-Nationalparks hat weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem der Region: Nachdem eine eingewanderte Forelle die angestammte Forellenart aus dem Yellowstone-See weitgehend verdrängt hat, droht in der Folge dem Nachwuchs von Hirschen Gefahr. Schuld ist ein indirekter Effekt, wie US-Biologen berichten: Die ursprüngliche Forellenspezies stellte die Haupt-Nahrungsquelle von Grizzlybären dar; die neue Fischart dagegen verschmähen sie. Dadurch konzentrieren sich die Bären verstärkt auf junge Wapitis, eine nordamerikanische Hirschart.

Die im Yellowstone-See heimische Cutthroat-Forelle (Oncorrhynchus clarkii) war bis Ende der 1980er-Jahre ein wichtiger Fett- und Energielieferant für die Bären, schreibt ein Team um Arthur Middleton von der Universität von Wyoming in Laramie (USA) in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Mittlerweile hat jedoch die eingewanderte amerikanischen Seeforelle (Salvelinus namaycush) die Cutthroat-Forelle verdrängt. In vielen Zuläufen des Sees, in die die Cutthroat-Forelle früher zum Laichen aufstieg, ist ihre Zahl demnach inzwischen bis auf ein Zehntel gefallen. Die Seeforelle schwimmt dagegen nicht in die Bäche, sondern legt ihre Eier am Seegrund ab.

Grizzlys ändern Speiseplan

In der Folge haben die Grizzly-Bären ihre Ernährung umgestellt. Wie Spuren und andere Analysen zeigen, jagten sie in den vergangenen Jahren vermehrt junge Wapitis. Dadurch ist deren Zahl bereits zwischen vier und 16 Prozent zurückgegangen. Auf die gesamte Wapitipopulation führte dies zu einen Rückgang von zwei bis elf Prozent.

Die Verschiebung des Nahrungsspektrums der Bären könnte zu einer dauerhaften Veränderung des gesamten Nahrungsnetzes im Yellowstone-Park und darüber hinaus führen, schließen die Forscher. Es zeige sich hier zudem, wie stark die meist getrennt betrachteten Ökosysteme von See und Land zusammen wirken und sich beeinflussen könnten. (APA/red, derStandard.at, 18.05.2013)

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    Nachdem der Grizzlybär die eingewanderte Seeforelle verschmäht, muss er sich jungen Wapitis als Hauptnahrungsquelle zuwenden.

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