Anklage gegen Ecclestone erhoben

15. Mai 2013, 05:59
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Schmiergeld-Millionenzahlungen an Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky untersucht

München - Die Schmiergeld-Affäre um Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nimmt wieder Fahrt auf: Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge soll die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den 82 Jahre alten Briten Anklage erhoben haben. Anstiftung zur Untreue und Bestechung - jeweils in besonders schwerem Fall - lauten demnach die Vorwürfe. Geht beim Amstgericht in der bayerischen Landeshauptstadt tatsächlich eine Anklage ein, drohen dem Herrscher der Motorsport-Königsklasse nach etwa vier Jahrzehnten Amtszeit mehr denn je das Aus und eine Gefängnisstrafe.

"Ich habe davon bislang noch nichts gehört und kann deshalb nichts sagen", sagte Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda. "Das ist leider der falsche Zeitpunkt. Ich muss mich erstmal über die Sache erkundigen, aber im Moment will ich mich dazu nicht äußern", so der dreimalige Formel-1-Champion.

Zwar wollte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft die im SZ-Bericht genannte Anklage auf SID-Anfrage zunächst nicht bestätigen, ein Verfahren gegen Ecclestone hatte sich aber schon im November des vergangenen Jahres angekündigt.

Zu dem Zeitpunkt hatte sich bereits das Führungsgremium der Firma Delta Topco, die als Obergesellschaft des Rennsport-Imperiums fungiert, für den Fall einer Ecclestone-Anklage auf ein Treffen und Verhandlungen über einen möglichen Interims-Chef verständigt. Wie die Spitze der Formel 1 künftig aussehen soll, behielt sich das Gremium aber noch vor. Eine Entscheidung über die dauerhafte Besetzung soll ohnehin erst nach Ende des möglichen Justizverfahrens in München fallen, das sich mindestens bis 2014 hinziehen könnte.

Gegenwind

Auch aus Stuttgart dürfte Ecclestone im Falle einer Anklage ein deutlich rauerer Wind entgegenwehen. Zwar ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Mercedes-Team aus der Königsklasse zurückzieht - ein entsprechendes Sonderkündigungsrecht hatten die Silberpfeile im Concorde-Agreement zumindest ausgehandelt. In der Causa Ecclestone könnten die Schwaben aber federführend mit anderen Teams eine breite Front gegen den allmächtigen Promoter aufbauen und ihn stürzen.

Ecclestone soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld im Zuge des Verkaufs einer Formel-1-Beteiligung der BayernLB an den britischen Investor CVC gezahlt haben. Der mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky hat Ecclestone bei der Münchner Staatsanwaltschaft schwer belastet. Der Brite selbst bestreitet die Vorwürfe und behauptet, Gribkowsky habe ihn mit nebulösen Andeutungen und angeblich illegalen Steuerdeals erpresst.

Bis die Anklageschrift ins Englische übersetzt ist und bei den Anwälten des Formel-1-Chefs eingehen wird, könnte noch einige Zeit verstreichen. Eine Anklage wäre in der schillernden Sportwelt ein Novum. Zwar waren bei den drei großen Weltsportgeschäften Fußball, Olympische Spiele und Formel 1 immer wieder Gerüchte über Korruption aufgekommen, ein Verfahren gegen einen amtierenden Chef einer dieser Sportarten gab es trotz Hinweisen auf korrupte Geschäfte bisher aber nicht. (sid, 15.5.2013)

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    Ecclestone soll dem früheren und mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilten BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt haben.

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