Abgetrennter Arm und falsche Einfahrt: Spital in Eisenstadt verteidigt Portier

14. Mai 2013, 19:47
191 Postings

Die Einfahrt in der Esterházygasse sei für Einsatz- und Notarztfahrzeuge reserviert, so ein Krankenhaussprecher

Eisenstadt – Die unglaubliche Fahrt des Tibor Aradi hätte an der Schranke vorm Eisenstädter Krankenhaus wohl auch letal enden können. Der Ungar hatte in Purbach seinen abgetrennten rechten Unterarm in den Kofferraum seines Autos gelegt und war rund 20 Kilometer nach Eisenstadt gefahren. In die Gegensprechanlage vorm Einfahrtsschranken rief er: "Hand kaputt!"  Der Portier der Barmherzigen Brüder schickte ihn zur neuen Einfahrt.

Das Krankenhaus erklärte auf Anfrage, dass der Portier absolut richtig gehandelt habe. Die Einfahrt in der Esterházygasse sei für Einsatz- und Notarztfahrzeuge reserviert. Die seien über die Videoanlage zu identifizieren, ins Auto schauen könne der Portier aber nicht. Dem "Hand kaputt"  über die Gegensprechanlage habe man die Dramatik der Situation nicht entnehmen können. Der 37-jährige Ungar stand unter so heftigem Schock, dass er nicht nur den Schranken der neuen Spitalseinfahrt ordnungsgemäß durchfuhr, sondern dort auch noch mit Parkkarte in die Garage abbog.

Den mitgebrachten Unterarm habe man überhaupt erst gesehen, als Aradi ihn auf die Theke der Unfallambulanz gelegt und gesagt hat: "Bitte annähen." Das konnten die Eisenstädter freilich nicht. In einer sechstündigen Operation gelang das im Wiener AKH, wo sich der Mann schon am Montag einem ORF-Interview unterzog: Es gehe ihm so weit gut, heim wolle er halt.

Auto statt Handy

Heim nach Halászi an der Kleinen Donau, ganz in der Nähe von Mosonmagyaróvár. Frau und Tochter – so erzählten sie es der Zeitung Kisalföld und der Ungarischredaktion des Burgenland-ORF – hatten am Samstag versucht, ihn am Handy zu erreichen, als er zur vereinbarten Zeit noch nicht daheim war. Irgendwann habe eine Frau abgehoben und gesagt, Tibor sei im Spital.

Warum er nicht das Handy statt des Autos zur – so wie es zurzeit ausschaut, wohl gelungenen – Rettung nutzte, ist eine von viele Fragen. Und ein paar davon wird die Staatsanwaltschaft auch dem Arbeitgeber stellen. (wei/DER STANDARD, 15.5.2013)

Share if you care.