Kranebitter: Hypo-Risikomanagement war mangelhaft

14. Mai 2013, 19:39
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Kreditrisiken wurden nicht vollständig erkannt

München/Klagenfurt - Beim Zivilprozess der Bayerischen Landesbank (BayernLB) gegen die Hypo Alpe Adria Mitarbeiter Privatstiftung (MAPS) ist am Dienstag Hypo-Chef Gottwald Kranebitter über drei Stunden lang als Zeuge befragt worden. Dabei übte er Kritik am Risikomanagement der Kärntner Bank vor der Verstaatlichung im Jahr 2009. Die Kreditrisiken seien nicht vollständig und nicht richtig identifiziert worden, die zuständige Abteilung sei mangelhaft organisiert gewesen und habe auch so gearbeitet.

"Ich gehe davon aus, dass die Kreditrisiken 2009/10 nicht zur Gänze diesen Jahren zuzuordnen sind", sondern auch auf Jahre davor entfallen, so der Hypo-Chef, der bis Ende März 2010 bei KPMG Österreich Geschäftsführer war. Welche Anteile auf die einzelnen Jahre entfallen, könne er aber nicht beziffern.

Im Fokus der Befragung Kranebitters standen Aufträge an seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, im Zusammenhang mit der Hypo vor deren Notverstaatlichung. So habe KPMG im Jahr 2007 für die Gesellschaft Kingsbridge, ein Partner der Berlin-Gruppe, eine Prüfung der Finanz- und Steuersituation ("Financial and Tax Due Diligence") bei der Kärntner Hypo vorgenommen, Ende November 2009 sollte KPMG dann eine Restrukturierungsplan für die vor der Insolvenz stehende Kärntner Bank erstellen, berichtete Kranebitter als Zeuge.

In der Verstaatlichungsnacht im Dezember 2009 sei er "auf Standby" gestanden, um diverse technische Fragen zu beantworten, was "unglaublich langweilig" war, erinnerte sich Kranebitter. Erst gegen Ende der Gespräche zur Notverstaatlichung sei er in die Verhandlungsrunde gerufen worden, um die wirtschaftlichen Ergebnisse auf einem Flip-Chart festzuhalten.

Kapitalbedarf

Innerhalb weniger Tage wurde der bis dahin angenommen Kapitalbedarf von 1,2 Mrd. Euro, der von PricewaterhouseCoopers (PwC) ermittelt worden war, von KPMG als nicht ausreichend beurteilt. Stattdessen wurde dann 2,1 Mrd. Euro angesetzt. "Wir waren vorsichtiger", gab Kranebitter zu Protokoll.

Auf die Frage von Rechtsanwalt Malte Berlin, der im Verfahren seinen Bruder Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin vertritt, ob das PwC-Gutachten die massiven Probleme bei der Hypo ausgelöste habe, die zur Notverstaatlichung geführt hatten, meinte Kranebitter: "Ich würde sagen offengelegt, nicht ausgelöst."

Die Kärntner Hypo sei bei den Eigenmitteln seiner Erinnerung nach auch die Jahre vor der Notverstaatlichung immer in der Nähe der gesetzlichen Eigenkapitalgrenze gewesen, Anfang 2006 habe es sogar eine einmalige Unterschreitung gegeben, berichtete der Hypo-Chef zu der 2007 von ihm geführten Prüfung.

Für Kranebitter hat der Rückkauf der Vorzugsaktien im Jahr 2008, der nach einem kritischen Notenbank-Bericht erfolgt war, einige Besonderheiten: Trotz eines absehbaren Verlustes sei eine Dividende bezahlt worden. Außerdem sei die Begründung des Rückkaufs - etwa die Vorzugsaktien seien besonders teuer - nicht nachvollziehbar, merkte er heute in seiner Aussage an.

Aus seiner heutiger Sicht habe die Kärntner Hypo der KPMG bei der Beauftragung für den Due-Diligence-Bericht im Jahr 2007 nicht alles offen gelegt, insbesondere über die eigenkapitalschädlichen Nebenabreden, so Kranebitter. Ob es eine bewusste Täuschung war, könne er aber nicht beurteilen.

Hintergrund des Prozess am Handelsgericht Wien mit einem Streitwert von 10 Mio. Euro ist, dass sich die BayernLB von der MAPS als ehemalige Hypo-Miteigentümerin über die Kapitalausstattung der Bank "arglistig" getäuscht fühlt. Deshalb ficht die BayernLB zwei Aktienkaufverträge über Hypo-Aktien aus dem Jahr 2007 an, die sie mit der MAPS geschlossen hatte. Geleitet wird der Prozess von Richterin Charlotte

Der Prozess geht am kommenden Donnerstag ab 09.15 Uhr am Handelsgericht Wien mit weiteren Zeugenbefragungen weiter. U.a. ist Ex-Hypo-Vorstand Andreas Dörhöfer geladen. (APA, 14.5.2013)

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