Dritte Ampelphase für Radfahrer

14. Mai 2013, 19:37
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Verkehrsforscher der TU Wien plädieren für neues Konzept für Radweg-Kreuzungen

Wer in Wien mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt das Problem: Will man eine Kreuzung diagonal überqueren, müssen im ungünstigsten Fall zwei Ampelphasen abgewartet werden, bis man dort verkehrsregelkonform hingelangt. Wer mit dem Auto fährt, ist deutlich schneller unterwegs. Den Fall, dass man auf vier Rädern zwei Ampelphasen abwarten muss, um eine Kreuzung zu überwinden, gibt es nicht.

Verkehrswissenschafter der Technischen Universität (TU) Wien plädieren nun für die Einführung einer dritten Ampelphase, in der Radfahrer diagonal kreuzen dürfen. "Wenn bei einer Kreuzung zwei Radwege in einen einzigen bidirektionalen Radweg zusammengeführt werden, muss man als Radfahrer die Kreuzung in zwei Schritten überqueren, und das kann ziemlich lange dauern. Zudem gibt es wenig Aufstellflächen neben den Fußgängern", gibt TU-Forscher Tadej Brezina ein Beispiel, wo eine radfahrerfreundliche Variante nützlich wäre.

Stopp für alle Autos

Gemeinsam mit Experten des Umweltbundesamtes und des Planungsbüros " Komobile w7" haben die Verkehrsforscher das Konzept der "Wiener Diagonale" entwickelt. Statt der üblichen zwei Ampelphasen schlagen sie drei vor. Während der dritten Phase müssten die Autos in alle Richtungen stehen bleiben. Radfahrer könnten dann diagonal kreuzen und Fußgänger, deren Schutzwege nicht die diagonale Spur schneiden, hätten ebenfalls grün.

Derzeit sind Ampeln normalerweise auf Autos abgestimmt und so geschaltet, dass Radfahrer bei "grünen Wellen" nicht mitkommen, betont Brezina. "In Aarhus in Dänemark ist das beispielsweise anders. Dort gibt es grüne Wellen für Radfahrer."

Brezina hat anhand typischer Verkehrsbedingungen berechnet, wie sich die Wartezeiten an einer Kreuzung durch die Einführung ändern würden. "Der Verkehrsfluss der Autos würde dadurch nicht wesentlich aufgehalten werden, für Fahrräder und Fußgänger würde die Wiener Diagonale jedoch eindeutige Vorteile bringen", sagt er.

Ein weiterer Nutzen des Konzepts wäre die Signalwirkung. Brezina: "Es ist eine gut sichtbare Bevorzugung von Radfahrern - vielleicht trägt das zu einem weiteren Umdenken in Richtung ökologische Mobilität bei." (kri, DER STANDARD, 15.05.2013)

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