Paolo Zegna über Wolle: "Haben Reserven"

Interview16. Mai 2013, 17:27
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Wolle ist wie Wein: Es gibt gute Jahrgänge und schlechte - Was das für Stoffproduzenten bedeutet, erklärt Paolo Zegna

STANDARD: Der Preis und die Qualität von Wolle schwanken von Jahr zu Jahr. Wie können Sie bei der Stofferzeugung eine gewisse Kontinuität garantieren?

Paolo Zegna: Eine Firma wie die unsere deckt sich frühzeitig mit Wolle ein. Wir haben große Reserven. Wobei unsere Sorge weniger dem Preis als der Qualität gilt. Den entsprechenden Preis kann man bezahlen, aber die Qualität ist im Nachhinein nicht korrigierbar.

STANDARD: Wie war die Qualität in den vergangenen Jahren?

Zegna: Gut, sogar sehr gut, aber vor fünf, sechs Jahren gab es in Australien eine fürchterliche Dürre. Die Schafe haben darunter sehr gelitten, die Wolle wurde brüchig. Entweder man verfügte damals über ausgezeichnete Kontakte, oder man griff auf Reserven zurück. Der Preis schnellte stark in die Höhe.

STANDARD: Ein Kilo hochwertigster Wolle kostet derzeit um die 20 Euro. Für einen Anzug benötigen Sie etwa 350 Gramm: Wie lässt sich der hohe Preis von Anzügen aus "ultrafeiner" Wolle argumentieren?

Zegna: Sie dürfen den Multiplikationseffekt in der Kostenkette nicht vergessen, er betrifft von Produktions- bis hin zu Retailkosten alles. Der Multiplikationseffekt ist immer derselbe, ob das Rohmaterial zehn Euro das Kilo oder 20 kostet. Auch die Abschläge: Wenn man einen Anzug um 2000 Euro um 50 Prozent reduziert, verliert man 1000 Euro. Bei einem Anzug um 500 Euro nur 250. Das muss man in der Kostenkalkulation bedenken.

STANDARD: China produziert mehr und günstigere Wolle als Australien. Warum kaufen Sie nicht dort?

Zegna: Weil diese, was die Qualität anbelangt, nicht konkurrenzfähig ist.

STANDARD: Für Zegna ist China gleichzeitig Konkurrent und Kunde. Wie kam es eigentlich, dass Sie als erstes westliches Luxushaus nach China gingen?

Zegna: Seit den späten 1970er-Jahren reisten wir häufig nach China, um Kaschmir zu kaufen. 1985 haben wir das erste Mal eine Kaschmir-Trophy in der Mongolei veranstaltet, damals bemerkten wir, dass sich in China etwas bewegt. Es sperrten neue Restaurants auf, neue Hotels. Die Menschen begannen zu reisen und Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Es wuchs also die Notwendigkeit, sich förmlicher anzuziehen. 1992 waren wir dann die Ersten, die ein Geschäft in Peking aufsperrten, im Jahr danach waren es bereits drei. (Rondo, DER STANDARD, 17.5.2013)

  • Zusammen mit Cousin Gildo und dessen Schwester Anna leitet Paolo Zegna (57) das italienische Mode- und Stoffhaus Zegna.
    foto: zegna

    Zusammen mit Cousin Gildo und dessen Schwester Anna leitet Paolo Zegna (57) das italienische Mode- und Stoffhaus Zegna.

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