Die USA, die Briten und die EU: Der laute Amerikaner

Kommentar14. Mai 2013, 18:32
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Das Kabinett Obama II hat Europa als Partner wiederentdeckt

Der Ratschlag war überraschend offen – und öffentlich: Barack Obama hielt den britischen Premierminister David Cameron vor der versammelten amerikanisch-britischen Presse dazu an, die Beziehungen der Insel zum EU-Kontinent doch zu reparieren, bevor London an einen Austritt aus der Union denke. Dass der sonst so zurückhaltende US-Präsident, diesmal quasi als lauter Amerikaner, so direkt und unverblümt in die Innenpolitik eines engen Alliierten eingreift, hat Seltenheitswert.

Angesichts der jüngst neu kalibrierten strategischen Ausrichtung der USA ist das nur folgerichtig: Das Kabinett Obama II hat einerseits Europa als Partner wiederentdeckt. Andererseits will das Weiße Haus diese neue Zuneigung für die alten Partner mit einem transatlantischen Freihandelsabkommen in einen Vertrag gießen – und zwar bis zu den US-Midterm-Wahlen Ende 2014. Bringen würde so ein Abkommen beiden Volkswirtschaften jeweils einen halben Prozentpunkt an zusätzlichem Wachstum, heißt es.

In Washington laufen die Vorbereitungen dafür bereits an: Obama und seine Leute bringen sich in Position, Lobbyisten und PR-Agenturen bereiten das Feld auf, im Senat werden Szenarien für einen Zwei-Parteien-Kompromiss diskutiert. Krisen, zumal innereuropäische, sind in diesem Zusammenhang nicht erwünscht. Und wenn die Briten schon ihre "splendid isolation" haben wollen, so meinen viele in DC, dann doch bitte nach Vertragsabschluss. (DER STANDARD, 15.5.2013)

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