NSU-Prozess: Zschäpe hört die Anklage und schweigt

14. Mai 2013, 18:24
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Zweiter Tag im Prozess um Neonazi-Morde

Am zweiten Tag des Münchener Prozesses um zehn Neonazi-Morde wird die Anklage verlesen. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe schweigt eisern, ihre Anwälte scheitern mit dem Antrag, das Verfahren aufzuschieben.

Beate Zschäpe ist angeklagt, unter anderem wegen Beteiligung an zehn Morden, wegen der Bildung und Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund"  (NSU), wegen Mittäterschaft bei 15 Banküberfällen sowie schwerer Brandstiftung und weiterer Verbrechen.

Die 38-Jährige nimmt die Vorwürfe, wie ihre Mitangeklagten Ralf Wohlleben (38), André E., Carsten S. (33) und Holger G., reaktionslos zur Kenntnis. Erst am Ende des Verlesens der Anklage zuckt die Angeklagte, als erklärt wird, dass für sie die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung vorliegen würden.

Fast die gesamte Zeitdauer des Verlesens der Anklageschrift durch Bundesanwalt Herbert Diemer blickt sie in Richtung des Bundesanwaltes oder auf die Tischfläche vor ihrem Platz. Anfangs liest die Hauptangeklagte noch in ihrem Laptop. Bald aber klappt sie den Bildschirm des Computers zu und zeigt kaum noch eine Regung.

In der Anklageschrift werden noch einmal im Detail alle zehn mutmaßlichen Morde aufgelistet, um die Brutalität des Vorgehens zu demonstrieren.

Die Bundesanwaltschaft zeigt sich überzeugt, dass das Motiv für die Taten die "völkisch-rassistische Ideologie"  war. Die ersten neun Morde seien gezielt auf südländisch aussehende Mitbürger verübt worden. Damit sollte Verunsicherung unter dieser Bevölkerungsgruppe geschürt, diese Menschen sollten zum Verlassen Deutschlands getrieben werden.

Unmittelbar vor dem Verlesen der Anklageschrift überprüft Richter Manfred Götzel die persönlichen Verhältnisse der Angeklagten. Das wäre der erste Moment für Beate Zschäpe gewesen, sich persönlich vor Gericht zu äußern. Doch ihr Anwalt teilt mit, dass seine Mandantin auch keine persönlichen Angaben machen werde. Beate Zschäpe schweigt und sagt kein Wort.

Am Vormittag hatte der Prozess mit juristischem Fingerhakeln vor allem zwischen dem Vorsitzenden Richter und dem Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer begonnen. Der Verteidiger forderte einen anderen, größeren Saal für den Prozess – auch, weil zwei Richter wegen der räumlichen Enge die Plätze der Verteidigung einsehen könnten. Dies wurde aber abgelehnt. Zschäpe wirkte die gesamte Verhandlung über angespannt. Von der am ersten Prozesstag vor einer Woche zur Schau getragenen Lockerheit blieb nicht viel übrig. Diesmal trägt sie einen hellgrauen Hosenanzug und eine weiße Bluse. Das Lächeln ist fast völlig aus ihrem Gesicht verschwunden. Mehrfach bespricht sie sich mit ihren Anwälten.  (Kai Mudra aus München /DER STANDARD, 15.5.2013)

Der Text wurde freundlicherweise von der Thüringer Allgemeinen zur Verfügung gestellt, da der Standard keinen Platz im Gericht hat.

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    Tag zwei im Münchener NSU-Prozess: Beate Zschäpe wirkt angespannt.

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    André E., einer der fünf Angeklagten, zeigt im Gericht seine Hände.

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