Anleger lassen Zinsen für Ramschpapiere sinken

14. Mai 2013, 17:48
5 Postings

In den USA sind die Zinsen für Ramschpapiere unter die Marke von fünf Prozent gefallen. Unternehmen nützen das günstige Marktumfeld

Wien - Investoren wirken zurzeit wie ausgehungert. Seit Tagen kaufen Anleger scharenweise Anleihen, die mit halbwegs attraktiven Renditen ausgestattet sind, und lassen damit die Kurse steigen. Ramschanleihen in den USA, also solche Bonds mit einem schlechten Rating von BB oder darunter, haben erstmals eine Verzinsung von weniger als fünf Prozent. Dabei gelten diese Papiere als äußerst riskant, hängt die Rückzahlung der Schulden doch auch an Wohl und Wehe der Weltkonjunktur.

Doch Investoren greifen derzeit beherzt bei diesen Unternehmensanleihen zu. Petrobras, der brasilianische Energiekonzern, hat am Montag elf Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt, die größte Anleihenemission in Lateinamerika. Die Nachfrage der Anleger hätte auch für eine Platzierung von 50 Milliarden Dollar an Schulden gereicht.

Hochzinsanleihen

Seit Jahresbeginn haben Unternehmen weltweit mehr als 221 Milliarden Dollar an Hochzinsanleihen am Markt platziert, so viel wie noch nie. Das zeigen Daten von Dealogic, die dem Standard vorliegen. Zwischen 2000 und 2012 waren es bis zu diesem Stichtag durchschnittlich nur 76 Mrd. Dollar, knapp ein Drittel. Spiegelbild der gesunkenen Zinsen sind die gestiegenen Kurse der Anleihen. Der europäische Markt für Hochzinsanleihen hat etwa in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 18,8 Prozent Rendite gebracht.

Selbst in der Peripherie Europas kommen große Unternehmen am Anleihenmarkt günstig zu Geld. Der spanische Energiekonzern Repsol (Rating knapp über Ramsch) hat am Dienstag siebenjährige Anleihen platziert und das günstige Marktumfeld ausgenutzt. Nur 2,72 Prozent zahlt Repsol für die siebenjährige Anleihe - so wenig, wie noch nie ein spanisches Unternehmen gezahlt hat. Noch vor kurzem musste der Staat ein Vielfaches davon zahlen.

Dabei betont etwa Julien Marcilly, Leiter für Länderrisiko beim Kreditversicherer Coface, dass eine wirtschaftliche Erholung in Europa nicht in Sicht ist. "In Italien und Spanien sehen wir noch immer einen Teufelskreis aus schwachem Wachstum und neuen Einsparungen", sagte er am Dienstag vor Journalisten in Wien. Insbesondere die Unternehmen der Bau- und Einzelhandelsbranche leiden in Südeuropa unter der schwachen Kreditvergabe der Banken und der Rezession. (sulu, DER STANDARD, 15.5.2013)

Share if you care.