"Kann man hier auch wählen?"

Reportage14. Mai 2013, 18:43
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Bis Donnerstag findet die ÖH-Wahl statt - Bis kurz vor das Wahllokal wird geworben - Ein Lokalaugenschein an der Uni Wien

Am ersten Tag der ÖH-Wahl ist für die wahlwerbenden Fraktionen alles so wie davor. An ihren Ständen vor der Uni Wien versuchen sie die Studierenden zu überzeugen, ihr Wahlkampf endet erst mit dem Wahlschluss am Donnerstag. Vom Jonas-Reindl zum Hauptgebäude wird man von den Fraktionen umworben wie sonst nur von Spendensammlern und Zeitungsaboverkäufern. Flyer, Traubenzucker, Kugelschreiber – im Uni-Wahlkampf sind die Geschenke noch sehr traditionell.

25 Wahllokale

Die Universität Wien ist Österreichs größte Hochschule, und für die Studierendenvertreter besonders wichtig: hier gibt es die meisten Mandate zu holen. In 25 Wahllokalen haben die Studierenden der Uni Wien bis Donnerstag Zeit ihre Stimme für Universitäts- und Studierendenvertretung abzugeben, am Tag vor dem Urnengang erging an alle Studierenden der Universität eine Liste mit den Wahllokalen per E-Mail.

Studierende stehen Spalier

Im Hof III des Hauptgebäude sind gleich mehrere Wahllokale geisteswissenschaftlicher Studien untergebracht, am Eingang stehen Studierende Spalier, erfragen die Studienrichtung und händigen kleine Zetteln mit den Kandidaten aus. Die VertreterInnen der IG Geschichte solle man wählen – die Aktionsgemeinschaft hingegen nicht. Auch für die Wahl der Universitätsvertretung hat die IG Geschichte eine deftig-formulierte Meinung (siehe Scan des Flugblatts links).

Im Wahllokal heißt es kurz anstellen, manch Studierender hat extra seinen verlorenen Ausweis nachgemacht um an der Wahl teilzunehmen. Für Sophie, die Soziologie studiert, ist die Teilnahme an der Wahl die "einzige Form etwas zu verändern". Es ist ihre erste Wahl, bislang gatte sie sich weniger für die Wahlen interessiert. Erzürnt zeigt sich die Soziologie-Studierende ob des Wahlkampfthemas Nummer eins, dem Café Rosa. "Das ist eine arge Geschichte, da ist unser Geld reingeflossen. Unglaublich."

"Ich wähle immer "

Das große Thema ist neben inhaltliche Fragen wie schon bei der letzten Wahl die Wahlbeteiligung. "Ich wähle immer, es ist wichtig, dass man wählen geht. Wenn man nicht wählt, kann man auch nicht im Nachhinein jammern", so Moritz. Das Café Rosa sieht er weniger kritisch. "Ich war selbst oft im Café Rosa. Schade, dass es nicht angenommen wurde."

Im Juridicum der Uni Wien wird um jede Stimme gekämpft, bislang hat hier die Aktionsgemeinschaft die Nase vorne. Auch hier werden Flyer als Ankreuzhilfen verteilt. Umstände, die bei einer Nationalratswahl Befremden auslösen würden.

"Wählen?"

Auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle besucht zu Beginn der ÖH-Wahl das Juridicum. "Und wie ist der Andrang?", fragt er eine Wahlhelferin. "Bis jetzt gut." Er begrüßt die Wahlkommission und sucht das Foto mit Studierenden. Einer zeigt sich ob des Medienaufgebots verwundert und fragt: "Kann man hier auch wählen?"

Der Minister würde übrigens nicht die Aktionsgemeinschaft wählen, wenn er an der Wahl teilnehmen könnte. Der Austria Presse Agentur sagte der Minister am Dienstag, dass er seine Stimme den Jungen Liberalen (JuLis) geben würde. Seine Wahl begründete er damit, dass er nur eine Fraktion wählen könne, die für Zugangsregelungen in überlaufenen Fächern und moderate Studiengebühren eintrete. "Wenn das die einzige Fraktion ist, die das hat, würde ich die JuLis wählen."

"Das mache ich nicht"

Vor dem Audimax der Uni Wien wartet Sophie, die Publizistik studiert, auf ihre Vorlesung. Ob sie wählen geht? – "Mal schauen, ich interessiere mich dafür nicht so." Wichtig seien ihr jedoch, dass die Studienbedingungen verbessert würden und es mehr Seminarplätze gibt. Vielleicht geht sie noch wählen, wenn die Schlange nicht so lange ist. Aber: "Nur auf die Uni zu gehen um zu wählen, das mache ich nicht." (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 14.5.2013)

  • Wahlzeit bis Donnerstag. Die Studierenden wählen ihre Vertretungen.
    foto: standard/cremer

    Wahlzeit bis Donnerstag. Die Studierenden wählen ihre Vertretungen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Minister Karlheinz Töchterle macht sich ein Bild.

  • Deftige Wahlwerbung der IG Geschichte für die Universitätsvertretung.
    foto: scan/derstandard.at

    Deftige Wahlwerbung der IG Geschichte für die Universitätsvertretung.

  • Kleine Flyersammlung,  14. bis 16. Mai 2013.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Kleine Flyersammlung,  14. bis 16. Mai 2013.

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