Pariser Meisterfeier lief aus dem Ruder

Ansichtssache14. Mai 2013, 17:18
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Ausschreitungen in der französischen Hauptstadt sorgen für Aufregung. Innenminister: "Das ist der Fall von PSG"

Paris - Schwere Ausschreitungen bei der Meisterfeier von Paris St. Germain haben Frankreich schockiert und ziehen Konsequenzen bis in höchste politische Kreise nach sich. Während sich Innenminister Manuel Valls für die chaotischen Zustände im Herzen der Hauptstadt rechtfertigen muss, entschuldigt sich der Klub kleinlaut für die "Stadtguerilla-Szenen" (Le Figaro).

Als die Mannschaft am Montagnachmittag auf einer Bühne auf dem Trocadéro-Platz beim Eiffelturm die Meisterschale präsentierten, zeichnete sich das Chaos bereits ab. Eine Kette von Ordnungskräften versuchte, herandrängende Massen von der Bühne fernzuhalten. Nachdem die Mannschaft aus Sicherheitsgründen schneller als geplant die Partymeile verlassen hatte, eskalierte die Situation.

Kontrollverlust

Hunderte zum Teil vermummte Randalierer unter den etwa 15.000 Fans durchbrachen Absperrungen, zündeten Rauchbomben, feuerten Leuchtraketen in die Polizei-Hundertschaften und warfen Steine. Man erklomm die Fassade des Palais de Chaillot, ein Bus mit Touristen attackiert, Einrichtungen mehrerer Cafés wurden beschädigt, Fassaden zerstört, Autos in Brand gesteckt.

Auch auf den Champs-Elysées kam es zu Zwischenfällen. Eine Bootsfahrt der Mannschaft auf der Seine wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Insgesamt 30 Personen wurden verletzt, darunter drei Sicherheitskräfte. Die Polizei, die mit 800 Beamten im Einsatz war, nahm 21 Personen fest.

Keine Feierlichkeiten mehr im Zentrum

Der selber von Seiten der Opposition scharf kritisierte Innenminister forderte "einen sehr detaillierten Bericht" der Vorfälle an und schloss in einer ersten Reaktion aus, dass PSG jemals wieder Titelfeiern im Herzen der Stadt ausrichten darf. Die für Mittwoch geplante Präsentation des Meisterpokals im Rathaus wurde abgesagt. Valls kündigte ein Gespräch mit der Klubführung noch in dieser Woche an: "Ich will sicher gehen, dass jeder Verantwortung übernimmt. Der Fußball ist immer noch krank. Dies ist der Fall von PSG."

Verein distanziert sich

PSG hatte sich schon in der Nacht von den Randalierern distanziert. In einer Pressemitteilung schrieb der Klub von einem "Festtag", der von "ein paar hundert Schlägern" verdorben worden sei: "Paris Saint-Germain ist mehr denn je gewillt, seine Pläne umzusetzen, einen großen Verein zu schaffen, der der Hauptstadt würdig ist."

Zu feiern hatte der von Investoren aus Katar kontrollierte Klub auch ungeachtet der Zwischenfälle nach dem ersten Meistertitel seit 1994 nichts mehr. Der Wechsel von Trainer Carlo Ancelotti zu Real Madrid nimmt immer konkretere Züge an. "Ich hoffe, dass er bleibt", sagte der schwedische Superstar Zlatan Ibrahimovic. Sollte es Ancelotti zu den Königlichen ziehen, könnte der Schwede, wie auch zahlreiche weitere Stars, seine Zukunft in Paris überdenken. (sid/red - 14.5. 2013)

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