Mit der Hebamme im Hotel

16. Mai 2013, 17:07
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Hotels für werdende Eltern inklusive Langschläfer-Service, "Babynarium" und Buggy-Fuhrpark: Das Angebot für Reisen mit Babys an Bord explodiert

Die Unterkunft ist perfekt: dunkel und feucht. Verpflegung rund um die Uhr, und per Nabelschnur. Gerade richtig also für die Bedürfnisse der noch ungeborenen Gäste, die im diesem Hotel absteigen. Die werdenden Mütter, in deren Bäuchen sie anreisen, sind mit dem "Schwangerschaftshotel" im bayrischen Ammergau meist ebenfalls ganz zufrieden.

Der Hotelier als Geburtsvorbereiter? Wir wollen ihn uns jetzt lieber nicht als knallharten Zillertaler BMW-Macho vorstellen, der etwaige Umsatzeinbrüche der Sparte Pistenzauber mit Mütter-Hotelkomplexen kompensiert. Denn dafür ist das Thema "Reisen mit ganz Kleinen" längst zu intensiv in der pränatalen Buchungsklasse angekommen. Davon zeugt ein kontinuierlich angewachsenes Angebot an Hotels, deren Betreiber um Argumente für ihre Produkte keineswegs verlegen sind. Das beste darunter lautet: Die im Idealfall gemeinsam erlebte Auszeit verschafft Schwangeren und künftigen Eltern genau jenen Abstand vom stressigen Alltag, den sie sich wünschen. Den passenden Namen haben Touristiker, in Anlehnung an die vielleicht vorangegangenen Flitterwochen, ebenfalls längst erfunden: Babymoon.

Entsprechende Hardware

Ein Anbieter vereint neben Mitgliedshäusern in diversen Nachbarländern unter seiner Dachmarke in Österreich gleich dreizehn Häuser, deren Klientel mit speziellen Angeboten und dem Verweis auf besondere medizinische Standards umworben wird. Spezifische Schwangerschaftswellness hilft etwa die durch mehr Körpergewicht verursachten Verspannungen zu lindern. Ernährung ist ein Thema. Die vielen Fragen, die Eltern in dieser Zeit einer Hebamme stellen möchten, ein noch viel größeres. Da trifft es sich gut, dass einige dieser Schwangerschaftshotels neben Room-Service und Fitness-Coaches auch eigene Hotelhebammen zum Personal rechnen. Sie können in der entspannten Hotelatmosphäre besser auf Klientinnen und Klienten eingehen als im hektischen Klinikmilieu, argumentieren die Betreiber.

Sechzig Stunden Betreuung

Ein paar Wochen oder Monate später: Das Baby hat längst an der Privatadresse eingecheckt. Die Reiselust vieler Mütter und Väter hat sich dadurch nicht zwingend verändert. In vielen Fällen muss man auf den Websites von Schwangerschaftshotels statt des Buttons "Urlaub mit Geburtsvorbereitung" nun bloß "Urlaub mit Baby" anklicken. Schließlich kann der Kampf im lukrativen Segment "Familienurlaub" nicht früh genug aufgenommen werden.

Wer sich dann im Portal babyurlaub.at umsieht, ist sich schnell sicher: Babyhotels boomen und wickeln Interessierte längst mit mehr oder weniger standardisierter Hardware sowie entsprechenden Serviceleistungen ein. Kinderbetten, Flaschenwärmer, Wickelauflage, Babybadewanne und Steckdosensicherung zählen zur Zimmerausstattung solcher Betriebe. Das Baby- und Kleinkindbuffet ist dabei ebenso Pflicht wie ein Hotelfuhrpark, der Kinderwägen, Buggys und Schlitten bereithält. Professionelle Babybetreuung, kein Thema - sechzig Stunden pro Woche Minimum. 

Es gibt nichts, was es nicht gibt: Babytherme inklusive "Babynarium", Babypool, Krabbel- und Ruhezone. Manche Anbieter haben einen "Langschläfer-Service" im Angebot: Weil auch Nichtrabeneltern ihre Ruhe brauchen, holt die Betreuerin oder der Betreuer die Kinder schon ab sieben Uhr morgens im Zimmer ab.

Lage! Lage! Lage!

Buchen mit Baby - das führt freilich auch in ferne Gefilde. Wer Strahlenbelastung im Flieger fürchtet, kann sich entspannen. Ärzte halten diese für eher unbedenklich, im Gegensatz zu Durchfallerkrankungen, die Fernreiseziele mit schlechter medizinischer Versorgung zum prinzipiellen Risiko machen. Auf Reisen mit Kleinkindern spezialisierte Unternehmen differenzieren freilich auch beim Mittelmeer-Strandurlaub und raten ihren Klienten keineswegs zum Resortkompromiss à la Bettenburg plus Babybetreuung. Dagegen spricht allein schon die Gefahr eines hohen Lautstärkepegels und abendlicher Animation - eine Aufdringlichkeit, die an vertraute Schlafenszeiten gebundene Kleinkindfamilien in ganz besonderem Maße in den Ferien-Wahnsinn treiben kann.

So klingt die Wahl des Feriendomizils fast wie das Mantra eines Immobilienmaklers: Lage, Lage, Lage! Sehr ruhig sollte diese sein, um Kleinkindern den gewohnten Tagesrhythmus samt Ruhephasen zu ermöglichen. Mitunter hat aber auch das stille Idyll seine Tücken. Ein mittelalterliches Dorf an der Haute-Provence kann sehr schön sein. Die vielen kleinen Treppchen in der unmittelbaren Umgebung sind es mitunter nicht. Womit wir jetzt aber bereits beim Krabbelalter angekommen wären (Robert Haidinger, Family, DER STANDARD, 16.5.2013)

Link

babyurlaub.at - Buchungsplattform für Hotels in Österreich und Deutschland

  • Auf und davon - auch mit den ganz Kleinen.

    Auf und davon - auch mit den ganz Kleinen.

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