Forscher schüren Interesse an "faszinierender Pflanzenwelt"

14. Mai 2013, 15:29
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Vorträge, Filmvorführungen, Labor- und Gartenbesichtigungen schon ab Mittwoch in Österreich

Wien - Pflanzen helfen den Wissenschaftern nicht nur, grundlegende biologische Prozesse aufzuklären, sie ermöglichen überhaupt erst tierisches Leben, jenes des Menschen eingeschlossen. Dennoch sind sie in der Forschungslandschaft im Vergleich zur biomedizinischen Forschung unterrepräsentiert, erklärte Ortrun Mittelsten Scheid vom Gregor Mendel Institut für molekulare Pflanzenbiologie (GMI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) anlässlich des "Fascination of Plants Day" am 18. Mai. Mit dieser weltweit stattfindenden Veranstaltung wolle man daher das gesellschaftliche Bewusstsein für die grüne Seite der Biologie fördern.

"Krankheiten betreffen jeden, und verständlicherweise hat jeder Angst davor", sagte Mittelsten Scheid, deshalb sei es naheliegend, dass das Interesse an der Krankheitsforschung groß sei. "Wir dürfen aber nicht vergessen, dass zum Beispiel Krebs und Alzheimer nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung treffen, weil die meisten Menschen auf der Erde gar nicht so alt werden, dass sie daran erkranken", erklärte sie. Der Mangel an pflanzlichen Nahrungsmitteln würde viel mehr Menschen Schaden zufügen.

Die "Ungleichgewichtigkeit in der Forschungslandschaft zwischen biomedizinischer und pflanzenbiologischer Forschung" könne man ohne eine Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins nicht ändern, sagte sie. Deshalb wolle man mit Aktivitäten wie dem "Fascination of Plants Day" einem breiten Publikum vor Augen führen, wie wichtig die Pflanzenforschung ist. "Außerdem macht es Spaß, wenn man die eigene Begeisterung rüberbringen kann", gesteht sie persönliches Interesse.

Vorteile der Pflanzenforschung

Viele grundlegende biologische Prozesse seien zuerst in Pflanzen entdeckt worden, erklärte Mittelsten Scheid, zum Beispiel die "springenden Gene", oder bereits vor etwas längerer Zeit die Vererbungsregeln durch Gregor Mendel. Vorteile der Pflanzenforschung seien die geringen "Haltungskosten" der grünen Organismen gegenüber jenen von Tieren oder menschlichen Zellen. Zudem würden viele der ethischen Bedenken wegfallen, die es bei Tierversuchen gibt.

Das GMI wird schon morgen, Mittwoch (15. Mai), mit einer Filmnacht zeigen, "wie raffiniert, heimtückisch und kooperativ Pflanzen sein können", so Mittelsten Scheid. "Die Evolution hat bei Pflanzen Mechanismen hervorgebracht, die hinter menschlicher Heimtücke nicht zurückstehen müssen", sagte sie. Umgekehrt wären in puncto Kooperation etwa Symbiosen der Pflanzen genauso gefinkelt, wie tierische oder menschliche Beziehungen, meinte die Forscherin.

Auch Andrea Pitzschke vom Institut für Angewandte Genetik und Zellbiologie der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) will "die gesamte Schönheit und Nützlichkeit von Pflanzen herausstreichen und den Leuten bewusster machen, wie sehr sie eigentlich jeden Tag mit Pflanzen und deren Eigenschaften konfrontiert sind", erklärte die Forscherin, die untersucht, wie Pflanzen mit Umweltstress umgehen, der APA. Dazu hält sie am 16. Mai einen Vortrag an der Boku, außerdem findet dort am selben Tag von 10.00 bis 16.00 Uhr Führungen durch Labor und Gewächshaus der 'Pflanzenbiotechnologie Unit' statt.

Weiters beteiligen sich hierzulande die "Freunde des Naturhistorischen Museums Österreich" mit einer Buchpräsentation, die "Garten Tulln" mit einem Tag der Artenvielfalt, das Lehr- und Forschungszentrum für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg mit einem Vortrag und einer Exkursion in die Weingärten, wo Sortenvielfalt und -Merkmale erklärt werden, und das Lehr- und Forschungszentrum Francisco Josephinum in Wieselburg mit einer Pflanzenschau. Der Fascination of Plants Day wird weltweit von der Europäischen Organisation für Pflanzenforschung (EPSO) organisiert und in Österreich von Margit Laimer Da Camara Machado vom Institut für Angewandte Mikrobiologie der Boku koordiniert.

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