Ecclestone spricht Machtwort im Reifenstreit

14. Mai 2013, 19:29
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Formel-1-Zampano schlägt sich auf die Seite der Chefkritiker von Red Bull und Mercedes - Pirelli: Brauchen mehr Testzeiten

London - Bernie Ecclestone hat im Streit um die Reifen ein Machtwort gesprochen. "Das sind die falschen Reifen. So etwas hatten wir nicht erwartet, als wir Pirelli beauftragt haben, etwas zu produzieren, was ein halbes Rennen halten soll", sagte der 82-Jährige dem Daily Express und stellte sich damit eindeutig auf die Seite der Chefkritiker von Red Bull und Mercedes.

Ecclestone kündigte gleichzeitig Veränderungen an. "Pirelli weiß von dem Problem, und sie machen etwas", erklärte der Engländer. In der Tat. Pirelli kündigte noch am Dienstag an, bereits für den Großen Preis von Kanada am 9. Juni in Montreal neue Reifen zur Verfügung zu stellen. Dies bestätigte eine Unternehmens-Sprecherin. Eigentlich waren Neuerungen erst für den Großen Preis von Großbritannien am 30. Juni in Silverstone vorgesehen. Vor Kanada macht die Formel 1 noch Station in Monaco (26. Mai).

Selbstkritik aus dem Hause Pirelli

In Kanada werden allerdings keine komplett neuen Pneus zum Einsatz kommen. Man werde die "Elemente der Reifen aus dem Vorjahr mit denen der aktuellen verknüpfen." Die Firma macht fehlende Testzeiten für die nicht befriedigende Situation verantwortlich. "Wir haben die Reifen für 2013 auf der Grundlage sorgfältiger Simulationen entwickelt, die aber nicht ausreichend waren, wenn man den verbesserten Speed der Autos einrechnet", sagte Motorportchef Paul Hembery. "Die aktuellen Regeln für Wintertests schränken wegen der niedrigeren Temperaturen und begrenzten Zeit die Möglichkeiten ein, die Reifen unter den selben Bedingungen wie in der Rennsaison zu testen", so Hembery.

Leidtragende der aktuellen Reifensituation sind vor allem das Red-Bull-Team um Weltmeister Sebastian Vettel sowie die Qualifying-"Weltmeister" von Mercedes. Beide Rennställe leiden darunter, dass sich die Pneus ihrer Wagen zu schnell abnutzen. Den am vergangenen Wochenenede beim Großen Preis von Spanien in Barcelona zum Einsatz gekommenen neuen harten Reifen hatte Vettel kurz und bündig als "Griff ins Klo" bezeichnet.

Teambesitzer Dietrich Mateschitz hatte nach Platz vier von Vettel in Barcelona gepoltert: "Das hat nichts mehr mit Rennsport zu tun, das wurde ein Wettbewerb im Reifenmanagement. Autorennsport sieht anders aus." Weiter meinte der Milliardär: "Wir können unter diesen Umständen das Potenzial unseres Autos und unserer Fahrer nicht mehr nutzen."

Bremser Rosberg

Gleiches gilt für Mercedes. Nico Rosberg, der wie schon zuvor in Bahrain auf die Pole Position gefahren war, musste sich am Ende mit Rang sechs zufrieden geben. Anschließend meinte der Deutsche: "Es hätte keinen Sinn gemacht, die Reifen zu zerstören bei dem Versuch, vorne zu bleiben." Sein Teamkollege Lewis Hamilton war während des Rennens vom Team aufgefordert worden, die Reifen zu schonen. Was der Brite süffisant kommentierte: "Ich kann nicht noch langsamer fahren."

Es gibt aber auch Teams, die sich besser auf die neuen Reifen eingestellt haben. Neben Ferrari mit Barcelona-Sieger Fernando Alonso ist dies vor allem Lotus mit "Reifen-Flüsterer" Kimi Räikkönen. Der Vizeweltmeister meinte: "Die Aufgabe ist für alle gleich. Wir haben sie einfach besser gelöst." Lotus-Mitbesitzer Gerard Lopez zog einen Vergleich heran: "Das ist wie beim Fußball - wenn eine Mannschaft immer an den Pfosten schießt, macht man die Tore auch nicht größer. Ich finde die Diskussion einfach nur bescheuert. (SID, 14.5.2013)

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    Die Reifen sollten laut Ecclestone eigentlich ein halbes Rennen halten.

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