Surface Pro: Microsofts Windows-8-Tablet im Test

Test20. Mai 2013, 10:06
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Vollwertiger und -preisiger Laptop im Tablet-Format - Kompromisse bei schlechter Akkulaufzeit und Touch-Bedienung

Ab 29. Mai ist Microsofts Surface Pro in Österreich verfügbar. Auf dem Tablet läuft Windows 8 in Vollversion, im Gegensatz zu Surface RT. Microsoft betont, dass mit der Pro-Version vollwertiges Arbeiten möglich sein soll. Dafür bietet das Unternehmen auch Tastaturen und einen Stift an. Wie sich das Surface Pro tatsächlich im Arbeitsalltag macht, soll der WebStandard-Test zeigen.

Hardware

Wie das Surface RT ist auch das Gehäuse des Pro aus VaporMg, einer Magnesiumschmelzlegierung, gefertigt und somit sehr widerstandfähig. Das Pro-Modell ist mit 13,5 Millimetern und 900 Gramm deutlich dicker und schwerer als die RT-Variante mit 9,3 Millimetern und 680 Gramm. Mit der Tastatur kommen zum Pro nochmals 200 bis 250 Gramm hinzu, je nachdem ob man sich für das flachere Touch-Cover oder das Type-Cover mit richtigen Tasten entscheidet. Für ein Tablet ist das Surface Pro damit relativ schwer. In puncto Mobilität erinnert das Gerät damit mehr an einen kleinen Laptop als an ein Tablet. Das Surface Pro beispielsweise zum Lesen länger in den Händen zu halten artet schnell in ein veritables Armtraining aus.

Belüftung

Die zusätzliche Dicke ist den Belüftungschlitzen des Pro geschuldet, die zur Kühlung des Intel-Prozessors dienen. Springen die Lüfter bei intensiverer Nutzung an, sind sie zwar zu hören, allerdings nicht lauter als bei ähnlichen Geräten.

Im Test wurde das Gerät an der Rückseite sowie auch das Display trotz der Belüftung sehr warm. Legt man das Gerät unterwegs zum Arbeiten auf den Oberschenkeln ab, kann das schnell unangenehm werden. Zumindest kam es im Test nicht vor, dass das Tablet zu heiß wurde.

Performance

Das Pro arbeitet mit einem Intel Core i5-Prozessor, Intel HD Graphics 4000 und 4 GB RAM. Die Performance und Reaktionszeiten beim Hochfahren des Geräts oder Starten von Apps sind erwartungsgemäß gut. Hier macht sich trotz des Formfaktors bemerkbar, dass man es mit einem vollwertigen Windows-Rechner zu tun hat.

Negativ ist anzumerken, dass es keine Konfigurationsmöglichkeiten gibt, abgesehen vom internen Flash-Speicher. Hier kann zwischen 64 und 128 GB gewählt werden, eine Erweiterung ist über microSD-Karten möglich. Aufgrund der Tatsache, dass Windows 8 samt Wiederherstellungsfunktionen relativ viel Speicherplatz benötigt, ist das Modell mit 128 GB die bessere Wahl, da beim 64-GB-Modell nur 23 GB freier Speicherplatz übrig bleiben.

Display

Das 10,6 Zoll große Display bietet eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel. Farben, Kontraste, Helligkeit und Blickwinkel sind sehr gut, allerdings spiegelt der Screen stark. Die höhere Auflösung als beim Surface RT hat allerdings ihren Preis. Die Elemente der Desktop-Benutzeroberfläche von Windows 8 sind am Surface Pro sehr klein. Ändert man die Skalierung, muss man immer einen Kompromiss eingehen: entweder viel Platz für Anwendungen, aber kleinere Elemente, oder besser mit den Fingern antippbare große Elemente und weniger Platz am 10-Zöller.

Finger, Maus oder Stift

Alternativ zur Fingerbedienung bietet sich die Steuerung über das Trackpad des Keyboards, mit einer Maus oder dem Stift an. Mit dem Surface Pro kann eine klassische Maus über den USB-Anschluss verwendet werden. Microsoft hat zudem einen Stift beigelegt, um den Touchscreen exakter bedienen zu können. In Anwendungen wie den Office-Apps oder eben im Desktop-Modus kommt man um den Stift nicht herum.

Der Stylus lässt sich an der Seite des Tablets am magnetischen Stromanschluss zum Transport einklicken. Der Stift wird bereits erkannt, wenn man ihn wenige Zentimeter über das Display hält, das entspricht dem Mauszeiger. Tippt man mit dem Stift auf das Display, kommt das einem Mausklick gleich - man kann etwa Textzeilen markieren oder Elemente verschieben.

Zeichnen

Mit dem Stift können auch handschriftliche Notizen gemacht werden. Dafür muss allerdings die Bildschirmtastatur aktiviert werden, die gut die Hälfte des Screens einnimmt, und dort auf Stifteingabe umgestellt werden. Die Handschrifterkennung funktionierte im Test sehr gut. Interessant ist die Eingabe mit dem Stift auch bei Bildbearbeitung oder wenn man öfters Skizzen anfertigen will, die man direkt auf das Display zeichnen kann. Die Eingabe funktioniert fast verzögerungsfrei.

Unzulänglichkeiten

Wahlmöglichkeiten, wie man ein Gerät persönlich am liebsten bedient, sind zwar begrüßenswert. Beim Surface Pro steht jedoch der Umstand dahinter, dass gewisse Aktionen die Eingabe mit Maus oder Stift erfordern, weil Fingergesten dafür schlicht und einfach nicht geeignet sind. Im Test kam es zudem überraschenderweise immer wieder vor, dass im Desktopmodus etwa beim Antippen des Schließen-Buttons von Anwendungen sowohl Stift- als auch Fingereingaben nicht sofort erkannt wurden.

Tastatur

Microsoft bietet als optionale Accessoires die bereits erwähnten Cover an. Beim Test des Surface RT konnte bereits das Touch-Cover ausprobiert werden. Das Pro wurde mit dem Type-Cover getestet. Dieses verfügt über Hardware-Tasten und soll ein normales Tippen wie auf einem kleinen Laptop ermöglichen. Das Cover schnappt an das Unterseite des Tablets ein, dieses kann mit dem sogenannten Kickstand auf der Rückseite aufgestellt werden.

Die Tastatur bietet auch ein Trackpad sowie Funktionstasten, Windows-Tastenkombinationen und Medien-Steuerelemente. Obwohl die Tastatur sehr flach und schmal ist, sind die Tasten groß genug bemessen, um schnelles und komfortables Tippen zu ermöglichen. Voraussetzung ist jedoch eine komplett ebene Unterlage, sonst biegt sich das Cover zu stark durch (etwa am Oberschenkel).

Das Trackpad ist hingegen sehr knapp bemessen und untersützt nicht alle gängigen Touchgesten. So kann man zwar mit zwei Fingern scrollen, aber nicht zoomen. Für die klassische Pinch-to-Zoom-Geste muss man auf das Display tippen.

Das Kreuz mit dem Kickstand

Als großes Manko stellt sich der Kickstand heraus. Dieser kann nur im Winkel von 22 Grad aufgeklappt werden. Sitzt man normal am Schreibtisch, ist der Winkel des Displays somit sehr steil. Besonders ergonomisch ist das nicht, die Testerin bekam schon nach wenigen Minuten Nackenschmerzen. Bei einem richtigen Laptop kann der Winkel des Displays vergrößert werden.

Anschlüsse und Peripherie

Nutzer können mit dem Pro allerdings jede beliebige normale Tastatur verwenden sowie externe Displays anschließen. Dafür sind ein Mini-DisplayPort und ein USB-3.0-Anschluss integriert. Microsoft bietet für den Mini-DisplayPort VGA- und AV-Adapter an. Über den AV-Adapter können beispielsweise Filme und Spiele mittels HDMI-Kabel auf Fernseher gestreamt werden. Daneben gibt es einen Ethernet-Adapter.

Für kabellose Verbindungen stehen WLAN (802.11a/b/g/n) und Bluetooth 4.0 zur Verfügung. Ein SIM-Kartenslot für 3G-Verbindungen ist nicht integriert. Wer unterwegs das Internet nutzen will, darf auf einen 3G-Stick oder das Smartphone als Hotspot nicht vergessen.

Akkulaufzeit

So vielfältig Microsoft versucht hat, die Anwendungsmöglichkeiten des Surface Pro für professionelle Anwender zu gestalten, ist das Gerät doch in einem Punkt stark eingeschränkt: der Akkulaufzeit. Diese liegt hinter jener anderer Tablets und Ultrabooks. Das Surface Pro hielt im Test bei höherer (allerdings nicht höchster) Display-Helligkeit nur knapp über vier Stunden durch. Microsoft gibt als Laufzeit auch offiziell vier bis fünf Stunden an.

Das 48-W-Netzteil des Surface Pro ist relativ groß und Transport-unfreundlich ausgefallen, hat aber ein praktisches Feature: Über einen zusätzlichen USB-Anschluss können andere Geräte wie etwa Smartphones aufgeladen werden.

Windows 8

Wie erwähnt läuft auf dem Tablet die vollwertige Version von Windows 8. Microsofts Touch-optimiertes Betriebssystem wurde vom WebStandard bereits getestet. Die Unterschiede zwischen Windows 8 und Windows RT, das am Surface RT läuft, wurden im Test von Samsungs Ativ Tab näher ausgeführt und sollen an dieser Stelle nicht wiederholt werden.

Nochmals betont werden soll hier nur, dass im Gegensatz zum Surface RT am Pro-Modell auch Windows-7-Anwendungen außerhalb des Microsoft Stores normal installiert werden können. Die Geräte  unterstützen zudem wie alle Windows-8-Rechner Group-Policy-Management und können mit einer Netzwerk-Domäne verbunden werden. Die Office-Suite, die am Surface RT vorinstalliert ist, muss man allerdings extra kaufen.

Fazit

Für das Pro ergeben sich im Wesentlichen drei Nutzungsszenarien: am Arbeitsplatz mit eigener Tastatur, Maus und externem Display; mit Tastatur-Cover für gelegentliches Arbeiten unterwegs; sowie als reines Tablet. Auf dem Papier klingt das nach dem idealen Gerät für Menschen, die ihren Computer beruflich und privat nutzen wollen, ihn am Arbeitsplatz sowie unterwegs benötigen.

Allerdings bringt das Surface Pro Einschränkungen mit: die unkomfortable Bedienbarkeit der Desktop-Oberfläche über den Touchscreen und vor allem die schlechte Akkulaufzeit. Sorgloses Arbeiten, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wo die nächste Steckdose ist, ist mit dem Pro nur schwer möglich.

Microsofts All-in-One-Ansatz wirkt teilweise eher wie ein notwendiges Übel als wie ein Feature, das dem Nutzer Wahlfreiheit geben soll.

Preise

Das Surface Pro zielt nicht auf Einsteiger oder Gelegenheitsnutzer ab, was sich auch im Preis niederschlägt. Die 64-GB-Variante kostet 879 Euro, für das 128-GB-Modell verlangt Microsoft 979 Euro. Das Touch-Cover kommt auf rund 120 Euro, das Type-Cover auf 130 Euro. Das Testgerät mit 128 GB und Type-Cover - was die beste Wahl für den produktiven Einsatz ist - kommt somit auf 1.109 Euro. (Birgit Riegler, derStandard.at, 20.5.2013)

  • Ende Mai kommt das Surface Pro in Österreich auf den Markt. Es ist der große Bruder des Surface RT, das hierzulande schon länger erhältlich ist.
    foto: derstandard.at/riegler

    Ende Mai kommt das Surface Pro in Österreich auf den Markt. Es ist der große Bruder des Surface RT, das hierzulande schon länger erhältlich ist.

  • Das Surface Pro bietet einen 10,6 Zoll großen Touchscreen und arbeitet mit einem Intel Core i5-Prozessor und vollwertigem Windows 8.
    foto: derstandard.at/riegler

    Das Surface Pro bietet einen 10,6 Zoll großen Touchscreen und arbeitet mit einem Intel Core i5-Prozessor und vollwertigem Windows 8.

  • Neben dem Touch-Cover bietet Microsoft das Type-Cover mit Hardware-Tastatur an. Auf festem Untergrund aufgelegt, ermöglicht es ein rasches und komfortables Tippen.
    foto: derstandard.at/riegler

    Neben dem Touch-Cover bietet Microsoft das Type-Cover mit Hardware-Tastatur an. Auf festem Untergrund aufgelegt, ermöglicht es ein rasches und komfortables Tippen.

  • Mit dem Kickstand kann das Tablet in eine Position zum Tippen gebracht werden. Der Winkel erwies sich im Test allerdings als zu steil.
    foto: derstandard.at/riegler

    Mit dem Kickstand kann das Tablet in eine Position zum Tippen gebracht werden. Der Winkel erwies sich im Test allerdings als zu steil.

  • Zur Nutzung als Tablet wird der Kickstand wieder zurückgeklappt.
    foto: derstandard.at/riegler

    Zur Nutzung als Tablet wird der Kickstand wieder zurückgeklappt.

  • Das hohe Gewicht und die Dicke des Geräts sowie das Netzteil sind nicht sehr Transport-freundlich ausgefallen.
    foto: derstandard.at/riegler

    Das hohe Gewicht und die Dicke des Geräts sowie das Netzteil sind nicht sehr Transport-freundlich ausgefallen.

  • Zusätzlich zu Fingereingabe, Trackpad und Maus ist im Lieferumfang des Surface Pro ein Stift enthalten.
    foto: derstandard.at/riegler

    Zusätzlich zu Fingereingabe, Trackpad und Maus ist im Lieferumfang des Surface Pro ein Stift enthalten.

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