Bloomberg-Datenaffäre rüttelt Finanzwelt auf

14. Mai 2013, 13:45
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Bloomberg: Wichtige Kundendaten waren stets geschützt - "Financial Times" berichtet von früherem Datenleck

Die Affäre um mangelnden Datenschutz beim US-Finanzdienstleister Bloomberg zieht weitere Kreise. Inzwischen prüfen Notenbanken rund um den Globus, ob manche ihrer vertraulichen Nutzerdaten für Bloomberg-Journalisten zugänglich waren. Die Bank von Japan und die Währungsbehörde von Hongkong bestätigten am Dienstag entsprechende Untersuchungen, nachdem dies zuvor bereits die Europäische Zentralbank, die brasilianische Zentralbank und die US-Notenbank Fed getan hatten. Auch das US-Finanzministerium schaut sich den Fall an, wie eine mit der Situation vertraute Person sagte. Bloomberg betonte, dass die wichtigen Kundendaten stets geschützt gewesen seien.

Kurstafeln, Statistiken, Wertpapier-Informationen und Handelssysteme

Notenbanken und Behörden sind ebenso Kunden von Bloomberg wie Geschäftsbanken. Der Konzern stellt - wie Reuters - über Computer-Terminals Dienstleistungen zur Verfügung wie Kurstafeln, Statistiken, Wertpapier-Informationen und Handelssysteme. Dazu gehören ferner Marktnachrichten, die häufig die eigenen Kunden zum Inhalt haben. Bloomberg-Journalisten hatten bis vor kurzem Zugang zu einigen Nutzerdaten, die als vertraulich eingestuft werden. Dies war vergangene Woche an die Öffentlichkeit gedrungen, nachdem sich die US-Investmentbank Goldman Sachs beschwert hatte. Anschließend hatte Bloomberg die Lücke nach eigener Auskunft umgehend geschlossen.

Chefredakteur Matthew Winkler sprach von einem eigentlich "unverzeihlichen" Fehler. "Das tut mir leid", schrieb er in einem Leitartikel, der auf der Bloomberg-Internetseite veröffentlicht wurde.

Unterdessen berichtete die "Financial Times" von einem weiteren Datenleck bei Bloomberg. So seien Tausende von privaten Mitteilungen, die in den Jahren 2009 und 2010 über Bloomberg-Terminals geschickt wurden, offensichtlich durch ein Versehen auf eine ungesicherte Internetseite hochgeladen worden. Dabei habe es sich um geschäftliche Mitteilungen zwischen Bank-Händlern und deren Kunden gehandelt, die vertrauliche Informationen zu Preisen und Handelsaktivitäten enthielten. Die Benachrichtigungen seien später von der Seite entfernt worden. Das Unternehmen wollte sich nicht detailliert zu dem Vorfall äußern. Die Zeitung zitierte einen Bloomberg-Sprecher: Hintergrund sei ein Technologietest gewesen, der mit Zustimmung der Kunden erfolgt sei.

Einblicke in den Mitteilungsverkehr der Kunden untereinander

Chefredakteur Winkler machte deutlich, dass seine Kollegen nur auf eine sehr begrenzte Auswahl von Nutzerdaten Zugriff hatten. So hätten sie etwa verfolgen können, wann sich die Nutzer ein- und ausloggten und wann sie sich für allgemeine Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen interessierten. In keinem Falle habe es jedoch Zugang zu Handels-, Portfolio- oder Bildschirmdaten gegeben. Auch Einblicke in den Mitteilungsverkehr der Kunden untereinander seien nicht möglich gewesen. Zudem hätten die Journalisten nicht herausfinden können, welche Nachrichten Kunden lasen.

Goldman-Manager gaben demgegenüber nach Auskunft von mit der Angelegenheit vertrauten Personen zu bedenken, dass Wertpapier-Händler bereits aus vergleichsweise bescheidenen vertraulichen Informationen Profit schlagen könnten. Dazu reiche etwa aus zu wissen, welche Anlageklasse wichtige andere Terminal-Nutzer im Auge haben oder welche Fragen ein Regierungsvertreter dem Bloomberg-Kundenservice stellt. Bei Goldman fühlten sich manche inzwischen sogar unwohl mit den Informationen, die dem Bloomberg-Vertriebsteam zur Verfügung gestellt werden, verlautete aus den Kreisen.

Winkler betonte dazu, Datenschutz sei für die Kunden zu einem zentralen Anliegen geworden. Daher solle das Unternehmen hier weitere Schritte gehen. Unternehmensgründer Michael Bloomberg, der seit 2002 Bürgermeister von New York ist und sich daher aus dem Tagesgeschäft des Nachrichtenanbieters zurückgezogen hat, hatte noch in einem Buch aus dem Jahr 1997 geschrieben, dass das Thema Datensicherheit in den meisten Firmen überbewertet werde. "Diebstahl und Schwund sind Kosten, die zum Geschäft dazugehören", betonte der Unternehmer. "Manche Beschränkungen sind sinnvoll, aber viele lächerlich."

Bloomberg-Konkurrent Thomson Reuters, zu dem die Nachrichtenagentur Reuters gehört, hat bereits am Freitag erklärt, Reuters-Journalisten hätten keinen Zugang zu vertraulichen Kundendaten. Das Nachrichtengeschäft arbeite völlig unabhängig. (APA, 14.5. 2013)

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