Umweltschutz: Allein auf weiter Flur

Leserkommentar14. Mai 2013, 16:32
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Launiger Kommentar eines Vorarlbergers, der in Kanada in Sachen Umweltschutz desillusioniert wurde

Wahnsinn, denke ich mir. 5,2 Liter Durchschnittsverbrauch von Bregenz nach München-Flughafen. Dieser typisch europäische Mittelklassewagen kann das. Ich setze mich also ins Flugzeug und fliege nach Toronto, Kanada.

Die Ankunft

Nach einer strengen Befragung des Immigration Officer und der Feststellung, dass mein Koffer in München vom Zoll geöffnet wurde, darf ich einreisen. Ich trete vor die Tür und stelle fest: Sparsame Fahrzeuge gibt es hier bestimmt nicht viele. Die Idylle ist schon verflogen. Da hilft das Großstadtflair auch nicht weiter.

Klimaschutz. Ein Thema, das uns alle beschäftigt. Oder? Wir Europäer reißen uns den Hintern auf, fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. In den Städten rund um Toronto wird man dafür von den Leuten ausgelacht. "Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad ins Büro", sage ich. "Ein Weg sechs Kilometer. Das ist richtig toll. Ich muss nichts für den Sprit bezahlen und tue der Umwelt und mir selbst auch noch etwas Gutes."

Umweltbewusstsein? Ein Fremdwort

Schallendes Gelächter bricht aus. "Mit dem Fahrrad zur Arbeit? Wir hatten einen bei uns, der jeden Tag mit dem Fahrrad kam. Über den hat die ganze Stadt geredet." Wie soll man da das Klima retten? Das Bewusstsein für die Umwelt, wie es zum Beispiel bei uns in Mitteleuropa existiert, gibt es in Amerika nicht.

Ich fahre mit meinen Ausführungen fort und berichte, dass es in Wien Fahrradstraßen gibt. Die Kanadier schauen mich mit großen Augen an. Was zum Teufel ist eine Fahrradstraße? Inzwischen wundere ich mich, wieso noch keiner gefragt hat, was eigentlich ein Fahrrad ist.

Mülltrennung: Ziemlicher Mist

Man könnte jetzt auch noch über Mülltrennung schreiben. Doch dann würde mir einfach nur schlecht werden. Alles in einen Sack. Fertig. Gemeinsames Abendessen. Die Kinder machen natürlich eine Sauerei. Kein Problem. Wir nehmen einfach Papierteller, die kann man dann wegschmeißen, und man muss kein Geschirr abwaschen. Immerhin verwendet man ja keine Styroporteller mehr.

Amerika (hier gemeint: der Kontinent) winkt fröhlich über den Atlantik nach Europa und ruft: "Ihr Vollidioten versucht die Umwelt zu retten! Wir scheißen drauf!" Europa winkt zurück und sagt: "Was habt ihr gesagt? Umwelt retten? Klar. Das machen wir! Liebe Grüße nach drüben!" (Christopher Schneeweiß, Leserkommentar, derStandard.at, 14.5.2013)

Christopher Schneeweiß, geboren 1988 in Bregenz, ist Jungunternehmer und Projektingenieur bei einem großen Seilbahnunternehmen. Er beschäftigte sich in den letzten Jahren intensiv mit Umwelt- und Klimaschutz und den Einflüssen verschiedener Kulturen auf dieses Thema.

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