Thomas Vanek fordert ein Umdenken

14. Mai 2013, 12:23
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Die Zukunft bringt für Österreichs Eishockey 2014 Olympia und B-WM. Bringt sie auch einen Aufschwung?

Helsinki/Wien - "Wir waren in allen fünf Spielen zumindest ebenbürtig, wenn nicht besser." Eishockey-Teamchef Manny Viveiros meint die ersten fünf WM-Spiele in Helsinki, von denen Österreich freilich drei verlor. Nur Pech? "Nicht nur", sagt Viveiros. Sondern auch mangelnde Effizienz wie gegen Deutschland, das man beim 0:2 über weite Phasen an die Wand spielte, oder Defensivfehler wie gegen die USA (3:5) und Frankreich (1: 3). Unter dem Strich hat man sozusagen die falschen Partien gewonnen, jene gegen Lettland (6:3) und die Slowakei (2:1 nach Shootout). Insgesamt nimmt Viveiros "viel Positives mit", man habe "ein gutes Signal für die Zukunft" gesetzt.

Die Zukunft bringt 2014 im Februar eine Olympia-Teilnahme in Sotschi, " das absolute Highlight", sagt Viveiros. Und sie bringt im April eine B-WM, bei der Österreich auf Slowenien, Ungarn, Japan, die Ukraine und Südkorea, das sich als Veranstalter bewirbt, treffen wird. Zwei der sechs Teams steigen auf.

Viveiros, selbst Austrokanadier, ist stolz auf die Leistung des Teams und stolz darauf, dass Österreich erstmals seit 1992 ohne eingebürgerten Spieler auftrat. Es galt einige Ausfälle (Nödl, Setzinger, Trattnig, Ulmer) zu verkraften, Österreich tut sich damit vergleichsweise besonders schwer. "Mir stehen nur dreißig, maximal vierzig Spieler zur Verfügung, die fürs Team infrage kommen", sagt Viveiros. "In Finnland gibt es wahrscheinlich 150 solche Spieler." Erschwerend kommt hinzu, dass viele gegnerische Cracks "das ganze Jahr auf höchstem Niveau spielen", sagt Viveiros. Hingegen stehen viele heimische Spieler in heiklen Phasen selten auf dem Eis, weil ihnen in Über- und Unterzahl meistens Legionäre vorgezogen werden. Viveiros: "Dann kommt man zur WM und spielt plötzlich Powerplay, noch dazu gegen die Besten der Welt."

Salzburg als Abschreckung

Thomas Vanek, NHL-Star der Buffalo Sabres, hat noch in Helsinki ein Umdenken in der Liga und also bei den Vereinen gefordert. "Die Liga muss sich entscheiden, ob sie die Österreicher fördern will oder die Ausländer. Wenn die Klubs nicht auf sieben, acht Legionäre runtergehen und den Nachwuchs fördern, wird sich nichts ändern", sagte Vanek der Austria Presse Agentur (APA). Ein kurzer Blick auf die Torschützenliste der Erste Bank Liga bestätigt Vanek, dort finden sich Matthias Iberer und Markus Peintner als beste Teamspieler auf Rang 31. Nicht explizit und doch sehr wohl bezieht sich Vaneks Forderung auf Red Bull Salzburg, das vergangene Saison nicht weniger als 28 Legionäre eingesetzt hat.

Viveiros stimmt mit Vanek überein, erwartet sich aber dennoch einiges von dem Konzept, das Österreichs Verband in Helsinki präsentiert hat. Es zielt auf bessere Trainerausbildung und Nachwuchsarbeit ab. "Beides ist dringend nötig", erklärt der Teamchef. Alpo Suhonen, Österreichs finnischer Sportdirektor, hatte gesagt, er könne "nicht den Lauf der Welt stoppen", dieser Lauf habe nun einmal die freie Arbeitsplatzwahl in Europa mit sich gebracht. "Aber eigene Spieler entwickeln können wir schon."

Bereits im Herbst ist Linz-Stürmer Brian Lebler (24), Sohn der austrokanadischen Legende Eddy Lebler, für Österreich spielberechtigt. Ein weiterer kurzer Blick auf die Torschützenliste schürt die Hoffnung noch, schließlich hat Lebler die letzte Saison als drittbester Scorer beendet. (Fritz Neumann - DER STANDARD, 14.5. 2013)

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    Das ÖEHV-Team hinterließ bei der A-WM einen guten Eindruck. Teamchef Viveiros fordert mehr Unterstützung von Seiten des Verbands und der Clubs.

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    Bitteres Ende in Helsinki. Enttäuschte Gesichter auf der Bank...

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    ... und auf dem Eis.

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