Babys haben ein ähnliches Bewusstsein wie Erwachsene

14. Mai 2013, 20:52
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Forscher stellen anhand von neuronalen Markern bei Säuglingen ab fünf Monaten bewusste, wenn auch verlangsamte, Wahrnehmung fest

Nehmen Babys ihre Umwelt bewusst wahr? Und wenn ja: Wie lässt sich das feststellen, wenn sie weder reden, noch ihre eigenen Gedanken formulieren können? Zur Lösung dieses komplexen Problems verwendeten französische Forscher einen umgekehrten Ansatz: Sie wollten herausfinden, ob die bei Erwachsenen beobachteten neuronalen Marker des Bewusstseins auch bei Babys vorhanden sind.

Neuronale Marker für das Bewusstsein

Jüngste Forschungen zeigten, dass das Gehirn von Erwachsenen in zwei Stufen auf die Wahrnehmung eines externen Ereignisses reagiert. In den ersten 200 - 300 Millisekunden erfolgt die Wahrnehmungsverarbeitung komplett unbewusst und die Neuronenaktivität nimmt linear zu. Die zweite Stufe ist, entsprechend der Bewusstseinsschwelle, durch eine nicht-lineare Antwort gekennzeichnet. Nur wenn das Ereignis, etwa die Präsentation eines Objektes, lange genug andauert, um diesen Schwellenwert zu erreichen, kommt es zu einer verzögerten Reaktion und einer bewussten Wahrnehmung. Nur diese verzögerte und nichtlineare Reaktion des Gehirns wird als neuronaler Marker des Bewusstseins betrachtet.

Die Wissaenschafter vom CNRS-Labor für kognitive und psycholinguistische Wissenschaften und dem Neurospin haben in ihrer Studie die Existenz dieses Markers bei 80 Kindern im Alter von 5, 12 und 15 Monaten getestet. Während ihre elektrische Hirnaktivität mit der Elektroenzephalographie (EEG) gemessen wurde, bekamen sie für eine bestimmte Zeit (über oder unter ihrer Wahrnehmungsschwelle) Gesichter zu sehen. Bei allen Altersgruppen konnten die Forscher die gleiche verzögerte und nichtlineare Reaktion wie bei Erwachsenen beobachten und so die Existenz dieser "neuronalen Signatur des Bewusstseins" auch bei Babys bestätigen.

Langsame Wahrnehmung

Allerdings beträgt die Reaktionszeit bei Erwachsenen etwa 300 Millisekunden und setzt bei Säuglingen deutlich später ein – nach mindestens 1 Sekunde bei den Jüngsten. Diese Ergebnisse zeigen, dass die dem Wahrnehmungsbewusstsein zugrunde liegenden zerebralen Mechanismen bei Säuglingen bereits sehr frühzeitig vorhanden sind. Sie sind jedoch relativ langsam und werden erst im Laufe der Entwicklung immer schneller. (red, derStandard.at, 14.05.2013)

  • Die EEG-Untersuchung scheint der kleinen Testperson nichts auszumachen. Durch Messung der Hirnaktivität konnten französische Forscher bereits bei fünf Monate alten Säuglingen die neuronale Signatur des Bewusstseins feststellen.
    foto: crns/sofie gelskov

    Die EEG-Untersuchung scheint der kleinen Testperson nichts auszumachen. Durch Messung der Hirnaktivität konnten französische Forscher bereits bei fünf Monate alten Säuglingen die neuronale Signatur des Bewusstseins feststellen.

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