"Wiener Wohnen" im Stil von Theophil Hansen

14. Mai 2013, 12:11
posten

Eine Ausstellung zum 200. Geburstag des gebürtigen Dänen zeigt dessen Ringstraßen-Palais und beleuchtet auch sein Möbeldesign

Er hat mit Parlament, Musikverein und Börse drei der prächtigsten Wiener Ringbauten geplant, aber auch Palais wie jene der Familien Epstein, Todesco oder Ephrussi. "Theophil Hansen hat das gründerzeitliche Erscheinungsbild dieser Stadt mehr geprägt als irgendein anderer Architekt", sagt deshalb Wolfgang Förster, Leiter der Wiener Wohnbauforschung. Gleichzeitig lässt sich für ihn an Hansens Schaffen die Wachstumsexplosion Wiens Ende des 19. Jahrhunderts nachvollziehen, "von einer engen Residenzstadt zur damals viertgrößten Stadt der Welt".

Bezüge zu Otto Wagner

Und weil sich am 13. Juli der Geburtstag des gebürtigen Dänen jährt (er starb 1891 in Wien), widmen sich heuer einige Ausstellungen dem Wirken und Schaffen von Theophil Hansen. Ab dem heutigen Dienstag läuft eine Schau im Wagner:Werk Museum Postsparkasse, die in zehn Stationen Hansens Werdegang nachzeichnet - von seinen Studien in Athen, die mittels detaillierter Zeichnungen bedacht werden, über die Ankunft und die ersten Aufträge in Wien bis zu den einzelnen monumentalen Bauten, die bis heute das innerstädtische Bild der Bundeshauptstadt prägen.

Mit dem Titel "Ein Stararchitekt und seine Wohnbauten an der Wiener Ringstraße" wird der Schwerpunkt der Schau vorgegeben. Kuratorin Monika Wenzl-Bachmayer gestand bei der Presseführung am Montag, dass sie dem Projekt ursprünglich skeptisch gegenüberstand, gerade was die Inszenierung Hansens "unglaublicher Oberflächenopulenz im Kontrast zum funktionalen Großen Kassensaal Otto Wagners" betreffe. Die Bedenken hätten sich aber nicht zuletzt dank der mannigfachen Bezüge zwischen diesen prägenden Figuren der Wiener Architektur gelegt. "Schließlich ist Wagner auch in einem Hansen-Bau aufgewachsen", dem heute nicht mehr existenten Heinrichhof gegenüber der Staatsoper - einst als das "schönste Zinshaus der Welt" gepriesen (siehe Ausstellungs-Sujet links).

Neben der äußeren Erscheinung seiner Bauten war Hansen aber auch deren Innenleben von größter Bedeutung, wie nicht zuletzt Möbel- oder Geschirrentwürfe belegen. Im Zentrum der passenderweise ringförmig angelegten Ausstellung sind zudem verschiedene Stühle und ein Schreibtisch zu bewundern. "Er war der Schöpfer des Gesamtkunstwerks, das er an Wagner weitergeben sollte", so Förster, der auch auf die "innere Flexibilität" der Gebäude verwies. "Etwas, was wir uns oft von moderner Architektur wünschen würden."

Weitere Ausstellungen

Dem Schaffen Hansens widmet sich derzeit auch eine Ausstellung im Wiener Ringturm (siehe auch "Mehr zum Thema"), Ende des Monats gesellt sich dann das Museum für angewandte Kunst hinzu: Im MAK wird auch die Zusammenarbeit mit der Firma Lobmeyr beleuchtet, für die Hansen sich im Kunsthandwerk versuchte. Ebenfalls mit Hansen auseinandersetzen werden sich im Laufe des Jahres noch die Akademie der bildenden Künste, das Architekturzentrum Wien und das Bezirksmuseum Wieden. (red, derStandard.at, 14.5.2013)

Service

Die Ausstellung "Theophil Hansen 1813-2013. Ein Stararchitekt und seine Wohnbauten an der Wiener Ringstraße" läuft von 14. Mai bis 17. August im Wagner:Werk Museum Postsparkasse (1018 Wien, Georg-Coch-Platz 2).

Link

ottowagner.com

Mehr zum Thema

Newalds Photoblog: Theophil Hansen im Ringturm

  • Der "Heinrichhof" gegenüber der Staatsoper galt einst als das "schönste Zinshaus der Welt". Hansen plante es für den Ziegelindustriellen Heinrich von Drasche-Wartinberg, der sich ein "Nobel-Zinshaus" wünschte. Große Teile des Prachtbaus wurden bei alliierten Bombenangriffen im März 1945 zerstört, 1950 wurde der Heinrichhof vollständig abgerissen.
    bild: wagner:werk/akademie der bildenden künste wien

    Der "Heinrichhof" gegenüber der Staatsoper galt einst als das "schönste Zinshaus der Welt". Hansen plante es für den Ziegelindustriellen Heinrich von Drasche-Wartinberg, der sich ein "Nobel-Zinshaus" wünschte. Große Teile des Prachtbaus wurden bei alliierten Bombenangriffen im März 1945 zerstört, 1950 wurde der Heinrichhof vollständig abgerissen.

  • Das "Palais Todesco", ebenfalls gegenüber der Staatsoper gelegen (allerdings in der Kärntner Straße, nicht am Ring), kann heute noch bewundert werden. Hansen plante es gemeinsam mit Ludwig von Förster, erbaut wurde es von 1861 bis 1864.
    foto: oesterreichische nationalbibliothek

    Das "Palais Todesco", ebenfalls gegenüber der Staatsoper gelegen (allerdings in der Kärntner Straße, nicht am Ring), kann heute noch bewundert werden. Hansen plante es gemeinsam mit Ludwig von Förster, erbaut wurde es von 1861 bis 1864.

  • Theophil Hansen, wie ihn Christian Griepenkerl im Jahr 1873 sah.
    bild: gemäldegalerie der akademie der bildenden künste wien

    Theophil Hansen, wie ihn Christian Griepenkerl im Jahr 1873 sah.

Share if you care.