Windows-Entwickler übt scharfe Kritik an Microsoft

14. Mai 2013, 10:38
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Die Leistungsverbesserung des NT-Kernels habe keine Priorität - beim Linux-Kernel funktioniere das besser

Microsoft sieht sich mit wachsender Kritik an Windows 8 konfrontiert. Die Diskussion dreht sich dabei nicht nur um das Interface oder die Entfernung des Startbuttons, sondern auch um die Weiterentwicklung des Kernels. Nun hat sich ein anonymer Microsoft-Entwickler eingeschaltet. Er skizziert das Problem mit zu wenigen, guten Programmierern und falscher Prioritätensetzung.

Microsofts Unternehmenskultur Schuld

Der Entwickler meldete sich in einem Kommentar zu einem Blog-Eintrag von Marc Bevand zu Wort. Bevand hatte zuvor ausgeführt, wieso der Linux-Kernel schneller als der Windows-Kernel weiterentwickelt werde. Der Microsoft-Entwickler hatte Bevand zugestimmt und die Hintergründe erklärt. Windows sei in vielen Bereichen langsamer als andere Systeme und der Abstand werde immer größer. Grund sei Microsofts Unternehmenskultur. Es gebe keine Leistungsverbesserung um ihrer selbst willen, wie das bei Linux der Fall sei.

Schlechte Performance nicht Geschäfts-gefährdend

Bevand hatte laut Golem unter anderem kritisiert, dass Multi-Plattform-Code in Java oder C unter Windows langsamer laufe als unter Linux. Schlechte Performance werde laut dem anonymen Microsoft-Entwickler jedoch nicht als Bedrohung für Microsofts Geschäft angesehen. So gebe es bei dem Konzern kein Programm, um die Leistung des NT-Kernels zu verbessern.

Kaum externe Patches akzeptiert

Erst wenn Microsoft sein Geschäft bedroht sehe, würde entsprechend reagiert. Um Sicherheit habe man sich erst dann vermehrt gekümmert, als die Sicherheitslücken unter Windows XP Geschäfts-gefährdende Ausmaße angenommen hatten. Zudem würden kaum externe Patches außerhalb eines Teams angenommen, da dies einen höheren Aufwand für Pflege und Tests sowie mögliche Terminverschiebungen bedeute. So würden neue Funktionen eher abgelehnt.

Kaum Anreize zur Verbesserung

Daneben gebe es für Microsoft-Entwickler wenig Anreize Verbesserungsvorschläge einzubringen. Während Linux-Entwickler für Leistungsverbesserungen gelobt würden, würden sie bei Microsoft ignoriert oder andere Entwickler sogar verärgern. Nur große Innovationen würden von höheren Management-Ebenen wahrgenommen und entsprechend gewürdigt.

Programmierer wandern ab

Ein weiteres Problem sei es, gute Programmierer im Konzern zu behalten. Google und andere großer Konzerne würden viel investieren, um Talente zu halten. Microsoft werbe viele junge Universitäts-Absolventen an, denen es jedoch an Erfahrung fehle. Es gebe zwar noch immer einige talentierte Entwickler, die ihr Handwerk verstehen und ein Auge für gutes, sauberes Design hätten. Und in einigen Bereichen sei der NT-Kernel noch immer besser als der Linux-Kernel, so der anonyme Programmierer.

Doch das sei nicht genug: die besten Mitarbeiter würden langsam zu anderen Unternehmen abwandern oder sich zur Ruhe setzen und Lücken hinterlassen. "Die Verwesung hat bereits begonnen." (red, derStandard.at, 14.5.2013)

Update

In einer Antwort an Bevand meinte der Windows-Entwickler mittlerweile, dass die Diskussion außer Kontrolle geraten sei und seine Kritik wohl zu hart gewesen sei. Vieles habe er übertrieben darstellt und er wolle sich entschuldigen, dass er einen falschen Eindruck vermittelt habe.

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    Microsoft wird für die Windows-Entwicklung aus den eigenen Reihen hart kritisiert.

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