Bangladesch: Internationale Marken vereinbaren Sicherheitsabkommen

12. Mai 2013, 20:06
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Kostenbeteiligung an Produktionstätten macht Arbeitsplätze sicherer - Regierung kündigt höheren Mindestlohn an

Stockholm/Dhaka/Berlin - Die weltgrößten Bekleidungskonzerne H&M und die Zara-Mutter Inditex haben nach einem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1.100 Toten ein Abkommen unterzeichnet, mit dem die Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land verbessert werden sollen.

Bis 15. Mai haben insgesamt 31 Unternehmen unterschrieben: H&M, Inditex, C&A, PVH (Calvin Klein, Tommy Hilfiger), Tchibo, Tesco, Marks & Spencer, Primark, El Corte Inglés, Hess Natur, jbc, Mango, Carrefour, KiK, Helly Hansen, G-Star, Aldi, New Look, Next, Mothercare, Loblaws, Sainsbury's, Benetton, N Brown Group, Stockmann,  WE Group, Esprit, Rewe, Lidl, Switcher und Abercrombie&Fitch.

Vereinbarung soll über fünf Jahre gelten

Die Internationale Arbeitsorganisation, Gewerkschaften wie IndustriALL und andere haben die auf fünf Jahre angelegte Vereinbarung ausgehandelt.

Die Clean Clothes Kampagne begrüßte das Vorhaben. Der Druck auf andere wichtige Akteure der Branche wächst, es ihnen gleich zu tun, meinte Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne Österreich. Ein Kernstück des Abkommen sei die Kostenbeteiligung. Die unterzeichnenden Markenunternehmen verpflichten sich, für Instandhaltungskosten in ihren Zulieferbetrieben aufzukommen und damit die Arbeitsplätze sicherer zumachen. "1.250 Arbeiterinnen und Arbeiter sind in den vergangenen sechs Monaten in Bangladesch ums Leben gekommen, weil europäische und US-amerikanische Firmen untätig waren. Der Horror in Bangladesch muss ein Ende haben", forderte Königshofer.

Verweigerer sind Gap und Walmart

"Obwohl der Großteil der führenden Textilhandelsfirmen sich dem Sicherheitsabkommen verpflichtet haben, gibt es Verweigerer", zeigt sich Königshofer enttäuscht. Darunter die US-amerikanischen Konzerne Gap und Walmart, aber auch europäische Unternehmen wie Charles Vögele und Tally Weijl. Sie wollen an bestehenden Konzepten festhalten.

H&M gehört zu den größten industriellen Kunden der Textilindustrie in Bangladesch. Die für "Nachhaltigkeit" zuständige Unternehmensvertreterin Helena Helmersson erklärte, die für eine Zeit von fünf Jahren vorgesehene neue Regelung sei ein "pragmatischer Schritt in Richtung Brand- und Gebäudesicherheit für Textilarbeiter". Bisher wurden diese Vorschläge durch westliche Großabnehmer von Textilien stets zurückgewiesen.

Mehr Gebäudesicherheit und sichere Arbeitsplätze

Die neuen Regeln beinhalteten eine Stärkung der Arbeitsrechte und die bessere Integration von Gewerkschaften sowie eine höhere Gebäudesicherheit mit mehr Brandschutz (inklusive unabhängiger Sicherheitsinspektionen). Unternehmen bekommen die Möglichkeit, Geschäftsbeziehungen mit den Fabriken zu beenden, wenn diese notwendige Sicherheitsmaßnahmen ablehnen.

Mindestlohn soll erhöht werden

Die Regierung von Bangladesch hat diese Woche auch die Erhöhung des Mindestlohns für TextilarbeiterInnen bekanntgegeben. Dafür sei ein Ausschuss zur Einführung eines höheren Mindestlohnes eingerichtet worden, an dem sowohl Gewerkschaften als auch Fabrikbesitzer teilnehmen sollten, sagte Textilminister Abdul Latif Siddique. Der Durchschnittslohn liegt in der Branche derzeit bei weniger als 40 Dollar (rund 30 Euro) im Monat. Der neue Betrag wurde noch nicht bekanntgegeben. 

TextilarbeiterInnen dürfen sich künftig auch in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen, erklärte Sprecher Mosharraf Hossain Bhuiyan am Montag in Dhaka.

Am Montag begannen die Behörden damit, in fast 950 Fabriken im Land Sicherheitsstandards einzufordern. Die Arbeitsbedingungen dort waren von einer Untersuchungskommission am Sonntag als riskant eingestuft worden. 18 Fabriken wurden bereits geschlossen. 

Suche nach Opfer in Dhaka eingestellt

Rund drei Wochen nach der Hauseinsturz-Katastrophe stellten die Rettungskräfte diese Woche ihre Suche nach Opfern ein. Nach offiziellen Angaben wurden bis Montagabend 2.438 Verletzte und 1.127 Leichen geborgen. Wegen andauernder Streiks und Unruhen beschlossen die Textilunternehmer im wichtigen Industriegebiet Ashulia nahe der Hauptstadt Dhaka, die Fabriken auf unbestimmte Zeit zu schließen.

Dienstag früh solle die Unglücksstelle formell der Distriktverwaltung übergeben werden, sagte ein Sprecher des Katastrophenzentrums. Am 24. April war dort das achtstöckiges Gebäude zusammengestürzt, in dem sich fünf Textilfabriken, eine Bankfiliale und Geschäfte befanden. Noch am Freitag hatten die Rettungskräfte eine Textilarbeiterin lebend gefunden. "Ich hätte nie gedacht, dass ich überlebte", sagte sie am Montag auf ihrer ersten Pressekonferenz im Combined Military Hospital, zu der sie im Rollstuhl kam. (APA, 14.5.2013)

  • Rund 30 Euro verdienen Näherinnen in Bangladesh im Monat.
    foto: epa/abir abdullah

    Rund 30 Euro verdienen Näherinnen in Bangladesh im Monat.

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